Wortgeklingel

20.9.2012.  Die Interviews von Katharina Wagner zeigen ein befremdliches Selbstverständnis, das mit der Realität nicht immer übereinstimmt.  Zwischen den Zeilen, hinter dem Wortgeklingel, entdeckt man Botschaften, die nicht unbedingt Gutes verheißen.

Der neueste Streich kommt aus dem „Branchen-Portal für Kulturmarketing und Kultursponsoring“.

Wer steckt dahinter?
Das Impressum der Webseite nennt „Juroren des Kulturmarken-Awards“, unter denen auch Katharina Wagner genannt wird.
Außerdem findet man eine lange Liste der geldkräftigen Sponsoren.
Cui bono – wem nützt es also?

http://www.kulturmarken.de/impressum

Der hochtrabende Titel „Kulturmanagerin des Monats September 2012“ betrifft nur einen einzigen Monat, lässt sich aber als Marketing-Instrument werbewirksam verwenden. Schlau, schlau ! Aber vielleicht auch zu schlau:

http://www.kulturmarken.de/fachwissen/ku…-september-2012
Zitat:
„Von Anfang an war meiner Schwester und mir klar, dass es darauf anzukommen hatte, Tradition nicht einfach zu brechen oder abzuschaffen, sondern sehr bewusst und Schritt für Schritt zu entwickeln, was kritische Prüfung des Bestehenden, Veränderung und Erneuerung als eine untrennbare Trinität beinhaltet.“

Ob sie diesen Text ganz allein geschrieben hat, ist egal.
Die verklausulierte Sprache in umständlichen Schachtelsätzen wimmelt von unnötigen Fremdwörtern.
Das ist ein altchinesischer Mandarin-Effekt: Das gewöhnliche Volk braucht gar nicht zu verstehen, was der kaiserliche Hof verkündet.
Auch Ghostwriter, Spindoctors, Journalisten und andere Berater können am Interview mitgewirkt haben, aber letztlich hat sie die geschraubten Sätze unter ihrem Namen freigegeben,

Die erwähnte „kritische Prüfung des Bestehenden, Veränderung und Erneuerung“ ist bei den umstrittenen Inszenierungen der letzten Jahre nicht erkennbar.

Außerdem wurde ein neuer Geschäftsführer engagiert, von dem noch keine Interviews zu finden sind. Über konkrete Reformen in der Organisation, Verwaltung ist nichts bekannt.

Zitat: „Das eigentlich Faszinierende sind die Synapsen wie die Bruchstellen, die zu Entscheidungen zwingen.“

Welche Synapsen meint sie? Das kann alles sein.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Zitat:
„Verdächtig und gefährlich würde es eher sein, wenn alle ohne Ausnahme begeistert wären und einhellig jubelten.“

Wann soll das denn passiert sein, beim Baumgarten-Tannhäuser, bei den Meistersingern?
Die traurige Wirklichkeit und die Inszenierungs-Fehlschläge werden als Positivum verklärt und als unabänderlich. Das ist weit weg von der Realität. Eine ärgerliche Verkennung der Wirklichkeit, mit dem Ziel der Selbst-Stabilisierung und Zementierung der Herrschaft.

Zitat zur Kartenverteilung:
„Diese Kontingente sind mit den Förderrichtlinien der Bundesrepublik Deutschland nicht vereinbar und mussten daher leider abgeschafft werden. …
Wir sahen uns teilweise Gepflogenheiten, Bräuchen, Verfahrensweisen, Praktiken, Angewöhntem und auch Unerklärlichem gegenüber, das in seiner organisch gewachsenen Struktur hier und da in unkontrollierten Wildwuchs ausgeartet war.“

Katharina ist am Grünen Hügel aufgewachsen, spielt aber unglaubwürdigerweise die völlig Überraschte.
Eine solche Ahnungslosigkeit kann auch mit mangelnder Sachkenntnis, persönlichen Grenzen zu tun haben und mit den bekannten Zweifeln an der Eignung für einen Leitungsposten.
Zitat:
„Gelungen ist etwa, den Anteil der Karten für den
Freiverkauf deutlich zu steigern auf 65 Prozent.“

Das wird als „gelungene Leistung“ verkauft, obwohl auch die restlichen 35 Prozent der steuerfinanzierten Karten in den freien Verkauf gehören.

Nach der Verteilung der Schlaftabletten geht’s zur Sache.
Die Katze wird aus dem Sack gelassen.
Zitat:
„Wenn ich das so sagen darf, ist der Rahmen der Bayreuther Festspiele natürlich ein idealer Ort für Kundenveranstaltungen, Einladungen zu exklusiven Empfängen und Kundenevents in unserer VIP-Lounge im Rahmen des Besuchs einer Vorstellung bieten eine ideale Plattform für Networking und Kundeneinladungen. …
Ich bin immer bestrebt, diesen ihre individuellen Wünsche zu ermöglichen und suche daher frühzeitig das persönliche Gespräch.“

O weh. „Einladungen zu exklusiven Empfängen und Kundenevents in unserer VIP-Lounge …
eine ideale Plattform für Networking und Kundeneinladungen.“

Geht’s noch um Kultur oder um satte Gewinne, Promotion, Merchandising, um „Product Placement“ und Events?
Leere Sprüche aus dem Management-Vokabular, die mit künstlerischer Qualität nichts zu tun haben. Die Festspiel-Idee wird damit verkleistert und unkenntlich.
Zitat:
„Anschließend an das Konzert ergeht die Einladung zur Geburtstags-Gala in der Stadt Bayreuth.“

Für alle – oder nur für die Sponsoren? Gala klingt exklusiv, nach Geschlossener Gesellschaft für Auserwählte mit prallem Geldbeutel.
Und so wird es wohl auch sein, im Jubiläumsjahr 2013.

Fazit des Interviews:
Leeres, irreales Wortgeklingel, gefördert von reichen Sponsoren. Man merkt die Absicht und ist verstimmt.
Die Festspiele als Marketing-Veranstaltung.
So hat Richard Wagner das überhaupt nicht gemeint.

Weitere Informationen findet man hier:

https://btpersp.wordpress.com/2012/08/26/riskante-freikarten-sonderkontingente-und-unklare/

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