Die Rückkehr der Nazi-Symbolik

26.8.2012. Die Verpflichtung von Jonathan Meese, ausgerechnet als nächster Parsifal-Regisseur, wirft ein erhellendes Licht auf die ablösungsreife Festspielleitung.

Meeses unangenehme Masche mit Hitlergruß, belasteten Runen und „Erz-Vokabular“, ist kein Zeichen mutigen Protests, 67 Jahre nach dem Untergang des Nazi-Reichs der Massenmörder.

Die Empfindlichkeit lässt nach, die Ernsthaftigkeit. Das Schamgefühl auch. Die Spaßgesellschaft verwischt die Grenzen.

Schon Katharina Wagners Meistersinger 2007 wirkten  unglaubwürdig. Die versöhnliche Milde des Alterswerks wurde  zertrampelt, zugunsten einer hysterischen Nazi-Verzerrung.

Der kluge, altersweise Hans Sachs als böses Ungeheuer, das politische Gegner in einer Metallkiste verbrennen lässt. Hier offenbart sich eine Zerstörungswut, die in vermeintlichem Protest das Meisterwerk kurz und klein schlägt.

Hier der Bericht vom Aufführungsbesuch 2007:

https://btpersp.wordpress.com/2011/01/19/meistersinger-2007/

In diesem heuchlerischen Klima stört einige Freunde der Festspielleitung ausgerechnet der Anblick der Breker-Büste im Festspielpark, weil die Skulptur den Kopf Wagners nicht fotografisch korrekt abbildet, sondern sein Innenleben interpretiert. Der stählerne Kopf ist  grimmig, machtbewusst, unheimlich und furchteinflößend.

Das war Richard Wagner  nicht. Aber so haben ihn die Nazis gesehen, in ihren fanatischen, brutalen Welteroberungsträumen, und deshalb gehört er auch zur Festspielgeschichte der Dreißiger Jahre.

Wegwerfen oder verstecken darf man die Skulptur nicht. Als Mahnmal einer düsteren Vergangenheit gehört sie zum Festspielhaus, als ewiges Ärgernis.  Allerdings wäre es kein Frevel, sie zu verlegen ins künftige Wahnfried-Museum und dort in einen historischen Zusammenhang zu stellen. Dann gleich auch die Cosima-Büste, die den spukhaften Eindruck einer nachtwandelnden Ahnfrau vermittelt.

Bleibt noch das positive Gegenbild: Brekers Fackelläufer, ganz unten an der Auffahrtallee. Die Fackel ist ein Symbol für das Licht der Erkenntnis. Sie weist zum Wagnertheater, verharrt aber unterwegs, in respektvoller Entfernung, um den Besuchern den Weg zu weisen und sie auf das musikalische Fest einzustimmen.

Der Läufer ist nach dem Vorbild des olympischen Rituals gestaltet. Ein Zeichen der Völkerverbindung, eine friedliche Einladung an Besucher aus aller Welt.

Arno Brekers umfangreiche Werksammlung mit pauschalen Vorurteilen wegzuwischen, führt also in den Nebelwald. Breker hat keine frommen Andachtsbilder geschaffen. Die abschreckende Gestaltung der irren Wagnerfratze unterschlägt zwar die vielen angenehmen Züge des Komponisten, dessen milde Humanität der zeitlose, innere Kern seiner gewaltigen Werke ist.

Aber vielleicht hat Breker hier auch eine Kritik am damaligen Zeitgeist geschaffen, die seinerzeit unbemerkt blieb.

Der Opportunismus des heutigen Zeitgeistes ist daran zu erkennen, dass man solche Ärgernisse aus dem Blickfeld verschwinden lassen will, aber andere schwere Mängel ignoriert.

Opportunismus, fehlender Widerstand, geschmeidige Anpassung sind ein Hauptgrund für die gegenwärtige Festspiel-Situation.

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