Iris Wagner spricht Klartext

20.6.12. Iris Wagners Gespräch mit Monika Beer vom 16.6.12 bietet viel Material und Gedankenanstöße:

http://www.infranken.de/nachrichten/kultur/Wagner-Iris-Wagner-Wahnfried-Richard-Wagner-Stiftung-Museum-Bayreuther-Festspiele-Es-brennt-in-Bayreuth-an-allen-Ecken-und-Enden;art182,293945

Zunächst fordert Iris Wagner einen Bau- und Planungsstopp des Wagnermuseums. Das haben auch einige Nachbarn getan. Über die gerichtlichen Klagen wurde bisher nicht entschieden. Die Juristen haben sich bisher erstaunlich zurückgehalten, wohl auch aus fehlender Einarbeitung in die Materie. Das kann sich ändern.

Aber ein juristischer Erfolg ist zur Zeit nicht das Wichtigste. Wieland Wagners Tochter verwendet einen angemessen scharfen Tonfall und sorgt damit erst einmal für Aufsehen, Unruhe und ein schlechtes Gewissen der Verantwortlichen.

Iris Wagner: „Wenn mehr oder weniger neben der Gruft, wo Richard und Cosima Wagner begraben sind, ein Café etabliert wird, das hauptsächlich Außenbetrieb haben wird, ist das eine starke Verletzung des Wagnerschen Willens und eine ästhetische Zumutung.“

Nicht nur das. Damit keine betriebswirtschaftlichen Verluste entstehen, muss das ganze Jahr ein Massenandrang herrschen. Wenn die Besucher ihren Cappuccino auf der Grabplatte trinken, fehlt nur noch die Errichtung eines Supermarktes im Garten. Die Möglichkeit, Lebensmittel oder Haushaltswaren direkt am Grab zu kaufen, wird den Andrang steigern.

Iris Wagner: „Als wir 1973 nichtsahnend und viel zu schnell der Stadt Bayreuth Wahnfried überschrieben haben, …war uns nicht bewusst, dass schon die Tatsache, dass die Richard-Wagner-Stiftung und nicht die Stadt Träger dieses Museums ist, zu Unklarheiten führen könnte.“

Das war vor fast vierzig Jahren. In welcher Form wurde jetzt die Stiftung formell beteiligt, bevor der Stadtrat seine Entscheidung traf? Vermutlich waren die Lokalpolitiker gar nicht allein zuständig, sondern der Stiftungsrat hätte das Projekt genehmigen müssen. Damit sind die bisherigen Beschlüsse rechtlich unwirksam.

Das gesamte Grundstück hätte als Landschafts-Ensemble längst unter Denkmalschutz gestellt werden müssen. Die Betreuung hätte man der Stadt Bayreuth entziehen müssen. Die Regelung der Einzelheiten ist Sache der Stiftung, in der bekanntlich auch Vertreter der Bundesregierung sitzen. Wenn das keiner gemerkt hat, spricht es für Gleichgültigkeit und Desinteresse der Kontrollorgane.

Auch Iris Wagner beklagt die Passivität der Aufsichtsgremien. Zum Architektenwettbewerb meint sie: „ Die Firma Staab, die den Wettbewerb gewonnen hat, ließ ein Gutachten machen, das, wie zu erwarten war, an der Wirtschaftlichkeit dieses Standortes erhebliche Zweifel angemeldet hat. Wir wissen doch, dass in Bayreuth nur zur Festspielzeit wirklich was los ist. … Das Ganze ist absurd! Erst recht wenn man bedenkt, dass Herr Dr. Friedrich die oberirdischen Sonderausstellungsflächen im Gartenneubau an Firmen und Kongresse untervermieten will.“

Für die Weitervermietung gibt es genug andere Räumlichkeiten in Bayreuth. Ein millionenteuer Neubau aus Steuergeldern ist überflüssig und unverantwortlich. Iris Wagner: „Keiner hat sich rechtzeitig Gedanken wegen der Folgekosten gemacht.“

Diese Folgekosten sind beispielweise die Ausgaben für zusätzliches Personal, Energie, Bauunterhalt und Schuldentilgung. Einnahmen in gleicher Höhe wird es nicht geben, weil außerhalb der fünfwöchigen Festspielsaison kein großes Publikumsinteresse vorhanden ist.  Der erhebliche Flurschaden wird den Musikfreunden nicht gefallen und andere Besucher vom Gelände fern halten. Iris Wagner sieht als Hauptverantwortlichen den Museumsleiter Dr. Sven Friedrich, dessen Neubaupläne in Bayreuth keinen ernsthaften Widerstand fanden.

Die Baukosten haben sich innerhalb eines Jahres von zwölf auf fünfzehn Millionen Euro erhöht. Frau Wagner beschreibt verschenkte Ausstellungsmöglichkeiten im Siegfried-Bau, dessen Räume immer noch von der Museumsleitung besetzt werden, die auf das Nachbargrundstück (Chamberlain-Haus) umziehen könnte: „Ich teile die Ansicht von Fachleuten wie Christoph Stölzl, Michael Karbaum und Jörg Skriebeleit, dass es sinnvoll ist, in den Parterre-Räumen Winifred Wagners, dem Speisezimmer, dem Arbeitszimmer, dem Kaminzimmer und dem Gartenzimmer ein eigenständiges Historisches Museum zu gestalten. …

Es brennt in Bayreuth an allen Ecken und Enden. Wo man nur den Deckel aufmacht, kommt etwas Schreckliches hervorgekrochen – seien es die fehlenden Sozialbeiträge, die wegbleibenden Bühnenmeister, der aberwitzige Renovierungsstau des Festspielhauses oder die intransparenten Rechte-Verwertungsverträge der BF Medien GmbH.“

Seltsam, dass diese Hinweise in der Vergangenheit niemand aufgeschreckt haben. Zahlreiche Details in diesem Interview sind neu, aber in den Grundlinien sind die Probleme seit Jahren bekannt.

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/1313443/details_8.htm

Zitat: „Eine interne Studie der Stadtverwaltung geht von 400.000 Euro Defizit pro Jahr beim Wagner-Museum aus.“ Die hartnäckigen Freunde des rücksichtslosen Wahnfried-Neubaus stützen sich auf nebulöse Wachstumsprognosen mit gewaltigen Einnahmen, die jedoch unberechenbar sind wie die Wettervorhersage oder ein Lotteriespiel. Nichts davon muss eintreffen, wenn das investierte Geld erst einmal weg ist.

Weitere Informationen findet man hier:

https://btpersp.wordpress.com/category/02-der-garten-trauert/

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