Frau Spinola kennt sich aus !

29.2.2011. Gestern fasste ein  FAZ-Artikel von Julia Spinola  die schweren Probleme hervorragend zusammen:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/festspiele/bayreuth-in-schwierigkeiten-der-mythos-wird-demontiert-11664436.html

Zitat: „… Konsequenzen einer offenbar gravierenden betrieblichen Misswirtschaft, die der Geschäftsführung der Festspiele vorgeworfen wird.

Dass es im organisatorischen Unterbau des Betriebs drunter und drüber gehe, monieren Vertreter der mäzenatischen „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ schon seit längerem.“

Die „gravierende betriebliche Misswirtschaft“ wurde  schon seit Jahren immer wieder thematisiert.

Folgen in der Realität hatte das nicht. Und das rächte sich jetzt, spitzt die Krise immer dramatischer zu.

Zitat: „Spätestens seit der letzten Festspielsaison, wo es leere Plätze und eine desaströse Premiere des „Tannhäuser“ in der Regie von Sebastian Baumgarten zu beklagen gab, steht die Festivalchefin Katharina Wagner in der Kritik. …

„Der Vorsitzende des „Freunde“-Vereins, Georg von Waldenfels, glaubt, dass eine Vorziehung der Verhandlungen über die Vertragsverlängerungen der Festspielleiterinnen vom Herbst 2013 auf den Herbst dieses Jahres denkbar sei.“

Hier nennt jemand die notwendigen Konsequenzen beim Namen. Die jetzige Festspielleitung ist mit der Lösung der längst bekannten Probleme überfordert und muss abgelöst werden, notfalls mit einer marktüblichen Abfindung.

Und jetzt wird es ganz spannend:

Zitat: „Nun aber wird bekannt, dass der Bayerische Oberste Rechnungshof bereits am 20. Oktober 2011 einen Bericht verabschiedet hat, in dem eklatante betriebswirtschaftliche Verstöße moniert werden. So soll man es seit Jahren versäumt haben, Sozialabgaben für Künstler abzuführen.

Der Bericht wurde dem Verwaltungsratvorsitzenden Toni Schmid zugesandt, der es zunächst nicht für nötig hielt, ihn auch den weiteren Mitgliedern des Gremiums zugänglich zu machen. Gefragt, was denn der genaue Prüfungsbefund des Rechnungshofes sei, antwortete Schmid dieser Zeitung jetzt, es handele sich in seinen Augen um eine „reine Routinegeschichte“; von einer „Krisensitzung“ des Verwaltungsrates könne daher nicht die Rede sein. Die Frist, innerhalb deren der Rechnungshof eine Stellungnahme erwartet, ist bis Ende April verlängert worden.“

Zum Verwaltungsratvorsitzenden Toni Schmid:  Von Insidern hört man, dass eine Lösung der kritischen Situation mit ihm nicht so leicht möglich ist. Denn er kennt die wichtigsten Interna der Festspiele seit Jahren  und hat an vielen Entscheidungen mitgewirkt.

Die Probleme sind trotzdem nicht gelöst !

Zu den umstrittenen Freikarten liest man, laut Abendzeitung vom 24.1.12.:

http://secure.staatsoper.de/data/forum/viewtopic.php?f=14&t=23915

Zitat: „Toni Schmid,Vorstandsvorsitzender des Verwaltungsrats der Bayreuther Festspiele, der im Bayerischen Wissenschaftsministerium sitzt. Wie viele Freikarten für die 1974 Plätze im Festspielhaus insgesamt vergeben werden, konnte er nicht sagen. Toni Schmid: „Ich habe eine Karte und die wohl verdient, weil das mein einziges Honorar für Bayreuth ist, das ich pro Jahr 20 Mal besuchen muss.“

Für seine Tätigkeit im Münchner Kunstministerium  bekommt er ein gutes Gehalt. Im Zusammenhang mit Aufsichtspflichten darf er keine Geschenke annehmen.

Toni Schmid hat auch schon einen Dokumentarfilm über Dieter Dorn gedreht, den ehemaligen Intendanten der Münchner Kammerspiele.

Dieser Film wurde vom Bayerischen Fernsehen beauftragt und gezeigt.

http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/koepfe-in-bayern/koepfe-in-bayern-dieter-dorn-toni-schmid100.html

Herr Schmid hat Kontrollfunktionen gegenüber zahlreichen kulturellen Institutionen.

Deshalb  ist  eine zwingend notwendige Distanz zur Kulturszene erforderlich. Persönliche Vorteile dürfen daraus nicht entstehen.

Viele Entscheidungen in Bayreuth werden im „kleinen Kreis“ derer besprochen, die sich auch in der Freizeit treffen. Das ist zwar in allen Kleinstädten so, denn verbandelte Seilschaften munkeln gern „hinter verschlossenen Türen“ .

Aber die Wagnerfestspiele haben eine überregionale Bedeutung. Bei der Verwendung von Steuergeldern, die auch von der Bundesregierung fließen, hat jede Stiftung Transparenz- und Offenlegungspflichten .

Diese Pflichten werden nicht ordnungsgemäß erfüllt.
Es wird zu viel geheim gehalten, und daraus entstehen unkontrollierte Fehlentwicklungen.

Die Konstruktion der BF Medien ist schon vor Jahren  ausführlich diskutiert und beanstandet worden.

http://www.bfmedien.de/impressum.html
Die personelle Besetzung führt zu Interessenkonflikten. Die Tochtergesellschaft BF Medien mit der „Geschäftsführung: Katharina Wagner“ bedeutet auch, dass die Festspielleiterin Aufträge an sich selbst erteilt, eine sehr umstrittene Praxis.

Zur Problematik der „Insichgeschäfte“ :

http://de.wikipedia.org/wiki/Insichgesch%C3%A4ft
Zitat:
„Es liegt auf der Hand, dass mit derartigen Insichgeschäften eine große Gefahr des Missbrauchs einhergeht.“

Zum FOCUS-Bericht vom 4.3.12:

http://www.focus.de/panorama/welt/organisatorische-misswirtschaft-rechnungshof-kritisiert-bayreuther-festspiele_aid_720463.html
Zitat:
„In einem Report kritisieren die Rechnungsprüfer nach FOCUS-Informationen, dass noch immer „wesentliche Grundlagen für den ordnungsgemäßen Geschäftsbetrieb einer Staatsbeteiligung nicht geschaffen worden“ seien.

Wer bremst denn da?
FOCUS-Zitat:
„Das Opernfestival unter Leitung der Halbschwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier sei „nicht in der Lage, innerhalb der vorgeschriebenen Frist einen fehlerfreien Jahresabschluss vorzulegen“.

Immer noch nicht? Wie viele Jahre denn schon? Hier müsste sich eigentlich auch das Finanzamt einschalten und eine Steuerprüfung durchführen.
Zitat:
„Krankenkassenbeiträge und Beiträge zur Versorgungskasse für Bühnenkünstler von insgesamt mehr als 260 000 Euro seien teils fast ein Jahr lang nicht bezahlt worden.“

Es geht also um eine Viertel Million Euro. Bei jeder anderen Firma hätte das Konsequenzen für die Leitung.
„Grund dafür sei eine unterbesetzte Verwaltung.“
Das kann gar nicht sein, weil es um grundsätzliche Fehler geht, um Regelverstöße, die sogar ein einzelner Buchhalter erkennen kann.
Der Bundesrechnungshof wird sich nicht länger Sand in die Augen streuen lassen. Auch die Presse wird nicht mehr wegschauen.
Mit weiteren schlechten Nachrichten ist zu rechnen.
Auch mit solchen, die schon seit Jahren vorherzusehen waren.

Zu den tieferen Ursachen der Krise in Bayreuth gibt es hier weitere Details:

https://btpersp.wordpress.com/2011/06/07/recht-und-gesetz/

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