Bargeld lacht und Freikarten winken

12.9.2011. In einer Sonderausgabe und als Artikel vom 15.5.11 schrieb die „Fränkische  Zeitung“ einige erstaunliche Details über den Umgang mit Bargeld am Grünen Hügel:

http://issuu.com/tmtde/docs/sz_15051130

Zitat von Seite 8: „Bargeld lacht – dies war bis zum Jahr 2008 … die Devise. Gleich ob Orchestermitglieder, Sänger, Dirigenten oder auch Statisten, alle, die für eine Saison engagiert sind, bekommen keine Lohntüte, keinen Scheck, sondern echte Scheine. … Auch die Privatvermieter in Bayreuth haben sich gefreut, wenn die Gäste ihr Quartier bar bezahlt haben.“

Das kann man sich denken. Denn wo kein Beleg ist, bekommt auch das Finanzamt nichts davon. In solchen Fällen kann es um Steuerhinterziehung gehen, sowohl bei den Geldverteilern wie auch bei den Empfängern.

Außerdem ist nicht mehr nachvollziehbar, wieviel jeder wirklich bekommen ist. Wenn im Vertrag 1.000 Euro stehen, können tatsächlich 1.400 Euro in bar geflossen sein, je nach Lust und Laune.

„Bargeld lacht.“  “Schlange stehen bei der Geldausgabe”.

Das galt  bis 2008 anscheinend für alle Mitarbeiter der Festspiele. Auch ein Geheimnis, das vor Außenstehenden verborgen wurde wie die Kartenverteilung. Aus gutem Grund.

Anfang der Siebziger Jahre stellten alle großen Firmen ihren Zahlungsverkehr auf Überweisungen um. Mit Durchbruch des Internets Anfang der Neunziger Jahre verstärkte sich das immer mehr. Seit ein paar Jahren ist sogar jeder Gastronom verpflichtet, handgeschriebene Rechnungen zu unterlassen und jeden Papierbeleg, jede Quittung maschinenschriftlich zu erstellen.

Alles andere ist ein Verstoß gegen Bilanzierungsvorschriften und Steuergesetze.

Doch bis 2008 öffneten in Bayreuth die Statisten ihre Geldbörse, zum Empfang des bescheidenen Lohns. Chorsänger konnten größere Plastiktüten füllen, und bei den Spitzenkünstlern reichten wohl nur noch schwere Reisekoffer, um die Geldbündel zu verstauen.

Hoffentlich hat die Buchhaltung dokumentiert, wer im Einzelnen wie viel bekommen hat. Man kann es aber auch nachträglich herausbekommen. Zum Beispiel bei den Gruppen dürfte feststellbar sein, wie viel ein Chorsänger oder Orchestermusiker generell verdient hat. Überprüft man dann, welche Einnahmen er dem Finanzamt mitgeteilt hat, darf es keine Differenz geben, sonst ist etwas verschwiegen worden.

Ein derartiges Bargeldsystem gibt es eigentlich nur noch in Krimis, wenn versteckte Geldkoffer steuersparend in die Schweiz transportiert werden oder wenn große Briefumschläge in verräucherten Hinterzimmern über den Tisch geschoben werden.

Weiteres wird sich bei den laufenden Prüfungen herausstellen, spannend ist es jetzt schon.

Zur Buchhaltung jeder Firma gehört die schriftliche Dokumentationspflicht der Einnahmen und Ausgaben. Alle Kassenbelege müssen zehn Jahre aufbewahrt werden.

Wird das nicht beachtet, ist die Bilanz nicht mehr nachprüfbar, auch das wäre ein Strafdelikt, denn die Korrektheit   der an den Staat abgeführten Steuer lässt sich nicht mehr überprüfen.

Bei der jetzigen Überprüfung der Kartenverteilung werden die Ermittler auch solche Sachverhalte untersuchen müssen.

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Einer der wichtigsten Finanzberater in Bayreuth war Karl-Gerhard Schmidt, Bankdirektor und schon seit 1949 einflussreiches Mitglied der „Gesellschaft der Freunde“,  zuletzt zehn Jahre lang ihr Vorsitzender bis 2010.

Mit seiner eigenen Bank hatte er Pech. Die Presse hat damals ausführlich darüber berichtet:

http://www.zeit.de/2004/21/Schmidt-Bank

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/karriere/0,2828,351070,00.html

Zur aktuellen Situation  können sicherlich noch eine Reihe von langjährigen Mitwirkenden Auskunft geben. Die jetzigen Prüfungen müssen auch klären, wie das langjährige System der Kartenverteilung zustande kam.

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Laut Bundesrechnungshof wurden am Grünen Hügel in der vorletzten Saison 2.650 Freikarten verschenkt. Schätzt man einen Durchschnittswert von 180 Euro je Karte, wurden also circa 470.000 Euro verschenkt und als Einnahmemöglichkeit der Festspielkasse entzogen, in einem steuerfinanzierten Zuschussbetrieb. Hier wird das Stichwort „Untreue“ wieder aktuell. Dieser gewaltige Schaden muss von den Verantwortlichen ersetzt werden. Außerdem muss überprüft werden, ob die einzelnen Empfänger den Wert in der Vergangenheit versteuert haben.

Rund um die Kartenverteilung werden die Ermittler noch einige Seltsamkeiten entdecken.

Hier findet man schon einmal einen  Überblick:

https://btpersp.wordpress.com/2011/09/02/die-staatsanwaltschaft-greift-ein/

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