Frank Castorf als Ring-Regisseur

27. Oktober 2011. Heute meldete „Focus“, dass Frank Castorf als Ring-Regisseur 2013 bestätigt wurde.

Zitat: „Wim Wenders sprang ab. Das brachte die Leiterinnen der Bayreuther Wagner-Festspiele, Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier, in Zugzwang. Jetzt ist der Regisseur für den Jubiläums-„Ring“ gefunden: Frank Castorf.“

http://www.focus.de/kultur/diverses/musi…aid_678742.html

Von Zugzwang kann keine Rede sein. Außer dem umstrittenen, als  Theater-Berserker einschlägig bekannten Castorf gibt es noch viele andere Regisseure.

Und jetzt darf man mit Folgendem rechnen.
Zitat:
„Der sperrige Intendant der Berliner Volksbühne gilt als Theaterwüterich, Stücke-Zertrümmerer und Provokationsmaschine. Pathos und der hohe Ton sind seine Sache nicht. Castorfs wilder Regiestil wird die in feinen Roben mit Fernglas und Klavierauszug auf dem Schoß im Bayreuther Festspielhaus sitzenden Herrschaften möglicherweise erschrecken. ( … )

Sehr viel Opernerfahrung hat Castorf tatsächlich nicht. In Basel inszenierte er vor 13 Jahren Verdis „Othello“. Im Jahr 2006 brachte er in Berlin Wagners „Meistersinger von Nürnberg“ mit Schauspielern und einem „Chor der werktätigen Volksbühne“ auf die Bühne – vermengt mit Textbrocken aus Ernst Tollers Revolutionsdrama „Masse – Mensch“, einem mit der Maschinenpistole um sich feuernden Walther von Stolzing und einem kotzenden Trojanischen Pferd. Das „Orchester“ bestand aus zwei Klavieren, Keyboard und fünf Bläsern. Das Motto des Abends: „Versuchsanordnung für Revolutionäre zwischen Schlachtfeld und Spielzimmer, Salon und Knast, Subvention und Subversion“. ( … )

Deshalb sind in seinen Inszenierungen, die zuletzt allerdings etwas glücklos waren, immer aktuelle Bezüge und reichlich Gesellschaftskritik zu finden. Auch bissige Ironie und rüpelnder Klamauk sind fester Bestandteil seiner Arbeiten. …

Zeigt Castorf einen Theaterklassiker, wähnt sich der Zuschauer manchmal im falschen Stück – mit so viel zusätzlichem Textmaterial jongliert der Regisseur. Statt Werktreue bietet er lieber anarchische, assoziative Happenings mit intellektuellen Seitenhieben auf die aktuelle politische Weltlage. …

Seit 19 Jahren ist Castorf Intendant der Berliner Volksbühne unweit des Alexanderplatzes – noch bis 2013 läuft sein Vertrag. Stagnation wurde dem regelmäßig auch in Zürich und bei den Wiener Festwochen inszenierenden Regisseur zuletzt vorgeworfen. Seine seit Jahren praktizierten Theatertricks zündeten nicht mehr richtig, hieß es. “

Zitat Ende. Wenn 2013 sein Vertrag mit der Volksbühne endet, wird Castorf also nicht arbeitslos.
Nach Baumgartens allseits abgelehntem Tannhäuser sind anscheinend noch Steigerungen möglich – auf der Skala nach unten. Im Herbst 2011 wurde das erkennbar.

31. Oktober 2011. Berichte über  eine Premiere von Frank Castorf im Münchner Residenztheater.

Das Publikum ist teilweise schon vor der Pause geflüchtet.

Hier nur eine Kostprobe:

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/fazit/1592417/

Zitat:“Dabei haut der auch für seine szenischen „Schweinereien“ bekannte Regisseur diesmal nicht auf die Erbsensuppe, sondern in wahrsten Sinne des Wortes auf die Kacke, denn das einzige, was neben ein paar Riesenköpfen von Horvaths Oktoberfestambiente übrig geblieben ist, sind die zwei Toilettenhäuschen, die selbstredend offen sind, in denen die Figuren mit heruntergezogenen Hosen sitzen oder sich und ihre schon hier auftauchenden Naziuniformen mit Braunem vollsudeln.“

Zitat Ende. In Bayreuth soll Castorf den Jubiläumsring 2013 gestalten.

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