Der Wahnfried-Neubau – immer teurer, immer verschwenderischer

22.12.2011. Kurz vor Weihnachten erreicht der private Kaufrausch seine Höhepunkte.

In Bayreuth werden Steuergelder verjubelt. Trotz leerer Stadtkasse wird die Beschädigung des Wahnfried-Gartens immer heftiger geplant.

http://www.nordbayerischer-kurier.de/nachrichten/1309380/details_8.htm

Zitat vom 20.12.11: „Nach neuesten Berechnungen kostet der Um- und Ausbau von Haus Wahnfried nun 14,95 Millionen Euro. Allererste Schätzungen beliefen sich auf 12,1 Millionen Euro. Die gute Nachricht: Der städtische Eigenanteil liegt bei lediglich 13,7 Prozent oder 2,05 Millionen Euro.“

Das ganze Projekt ist überflüssig, weil es Alternativen gibt. Im letzten Frühjahr ging es noch um eine Bausumme von 12,1 Millionen, jetzt, ein paar Monate später sind es schon 14,95 Millionen, also eine Steigerung von 23,6 Prozent – fast ein Viertel der vorherigen Summe!

Wer hat eigentlich Interesse daran, so viel Geld auszugeben? Wer profitiert davon?

Wer verdient daran? Nicht nur die direkt beteiligten Baufirmen, sondern auch ein Umfeld von Zulieferern und anderen.

Die Auftragsvergabe kann diese Fragen beantworten. Was wurde freihändig vergeben, also direkt? Bei derart  hohen Summen schreibt das Gesetz eine öffentliche Ausschreibung vor, also eine Bekanntgabe in der Presse und in den amtlichen Mitteilungen. Ziel ist eine Bestenauslese aufgrund nachprüfbarer Kriterien. Auch die spätere Bauausführung durch Subunternehmer kann überprüft werden. Dokumentiert werden muss, warum Mitbewerber nicht zum Zug kamen. Die Vergabe von Lizenzen und Konzessionen gehört auch dazu.  Wer hatte die meisten Vorteile? Der Anteil örtlicher Unternehmen ist feststellbar, im Vergleich zur Beauftragung überregionaler oder internationaler Firmen, zum Beispiel aus dem benachbarten Osteuropa oder dem Bereich der Europäischen Union.

Wahnfried: Da geht es nicht nur um Kultur. Ein Millionenprojekt ist eine fette Beute und lockt auch die  wachsamen Augen  der Gier an.

Alle Nutznießer müssen in einer Liste öffentlich genannt werden. Früher oder später wird das auch geschehen.

Und in der Hauptsache gilt immer noch, was Wieland Wagners Tochter Iris im Februar 2010 schrieb:

http://www.wahnfried.com/2010/02/22/stellungnahme-zur-grosen-losung-von-iris-wagner-vom-20-02-2010/

Zitat: „Die Stadt verfügt über das Grundstück Chamberlain-Haus, in dem sanierten Altbaubestand des Hauses böte sich im Souterrain Platz für Seminare, Museumspädagogischen Dienst und Medienraum. Das Obergeschoss und das Dach könnte Verwaltungs- und Archivbüro aus dem Siegfriedhaus aufnehmen.

Diese Nutzung des Altbaubestandes dürfte ein Drittel der gewünschten Neubauflächen ersetzen und Kosten einsparen. In einem Neubau im Garten des Chaimberlain-Hauses könnten im Untergeschoss Depot, im Erdgeschoss Foyer/Kasse, Shop und Caféteria und im Obergeschoss zzgl. der Dachgeschossfläche die gewünschte Sonderausstellungsfläche untergebracht werden.“

Iris Wagner hat in der Hauptsache Recht. Das gut geeignete Chamberlain-Haus befindet sich auf dem Nachbargrundstück, nur wenige Meter neben dem Tor zur Wahnfried-Allee und wird bisher nur geringfügig genutzt – als Jean-Paul-Museum.

Aber so viel Flächenbedarf besteht dort gar nicht. Den angeblichen „Platz für Seminare, Museumspädagogischen Dienst und Medienraum“ und dergleichen gibt es auch anderswo in Bayreuth. Es muss nicht alles in einem Bereich stattfinden, dessen historische Substanz viel wichtiger ist als hektisches Mediengewimmel.

Massenmörder Adolf Hitler wohnte bekanntlich immer wieder als persönlicher Gast von Winifred Wagner im sogenannten „Siegfried-Bau“ von Wahnfried, wo sich heute immer noch die unbewegliche Museumsverwaltung breit macht und historische Ausstellungsflächen blockiert.

Genau in diesen Räumen kann man jedoch die längst überfällige Präsentation der lokalen Nazi-Vergangenheit ausbreiten, mit Informationen über die Täter und mit Berichten  über die Opfer.

Die sympathischen Bayreuther Stadträte haben jedoch – mit nur einer Gegenstimme – die Nutzung dieser Räume für historische Ausstellungen und die Aufarbeitung der braunen Vergangenheit  nicht für so wichtig gehalten  und stattdessen einen millionenteuren, völlig überflüssigen Neubau an Wagners Grab beschlossen, der das ganze Landschaftsensemble zerstört.

Zitat aus dem eingangs genannten Bericht des „Nordbayerischen Kuriers“:

„Nach dem jetzigen Planungsstand soll im März 2013 mit dem Bau begonnen werden.“

Eigentlich sollten schon im letzten April die Bagger anrollen. Jetzt ist wieder wertvolle Zeit gewonnen. Bis März 2013 finden sicherlich noch viele Gespräche statt. Auch in Bayreuth gibt es mittlerweile einflussreiche Stimmen, die einen Umzug der Wahnfried-Verwaltung aus dem Siegfried-Bau in das nahe Chamberlain-Haus (Nachbargrundstück) befürworten.

Damit würden zwei komplette Wahnfried-Stockwerke als Ausstellungsflächen frei und der Neubau ausgerechnet in der Nähe des Grabs von Richard Wagner überflüssig.

Weitere Museumsflächen lassen sich auch im übrigen Stadtgebiet schaffen. Vorrangig ist Wahnfried als unbeschädigte Erinnerungsstätte. Zum Ensemble gehört auch der Garten.

Außerdem ziehen drei Nachbarn vor Gericht. Argumente dafür gibt es genug, und die Erfolgsaussichten sind nicht schlecht. Die rücksichtslose Beschädigung des Wahnfried-Gartens und die überflüssige Steuerverschwendung in Millionenhöhe werden sicherlich vor Gericht nicht standhalten.

Einen Vorgeschmack findet man hier:

„Externe Aufsicht über die Stadtkasse“

https://btpersp.wordpress.com/2011/02/01/2-externe-aufsicht-uber-die-stadtkasse/

Hier ein Bericht  über Alternativen – mit Fotos vom Tatort :

https://btpersp.wordpress.com/2012/04/06/abgehackt-und-abgeraumt/

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