Geheimnisse und Abgründe am Grünen Hügel

7.7.2011. Bereits am 24.6.11 erschien ein aufregender Hintergrundbericht in der „Welt“: 

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13447695/Mit-den-Foerderzielen-des-Bundes-nicht-vereinbar.html

Zitat: „Wenn ein Prüfbericht nur wenigen Menschen zugänglich gemacht werden soll, hat das meistens gute Gründe. Diejenigen, die sich haben prüfen lassen, sind dann in der Regel mit dem Ergebnis der Prüfung nicht glücklich. Es lässt sie irgendwie doof da stehen.

So ist es auch mit dem Bericht, den der Bundesrechnungshof über die Kartenvergabe bei den Bayreuther Festspielen geschrieben hat. Der ist auch nicht öffentlich zugänglich. Das liegt daran, dass nach Lektüre des Papiers ziemlich viele irgendwie doof da stehen. Die frühere Leitung der Festspiele etwa, die Stadt Bayreuth, der Kulturstaatsminister – und damit letztlich auch Wagner-Freundin Angela Merkel.“ 

Zitat Ende. Es ist sowieso sehr erstaunlich, dass die vielen hochbezahlten Kartenempfänger sich nie Gedanken über das Verteilsystem gemacht haben, weder bei der Stadt Bayreuth noch bei der aufsichtführenden Regierung von Oberfranken, die in einem Märchenpalast mitten in der Stadt sitzt.  

Zitat: „Der 16-seitige Bericht, der der „Welt“ vorliegt, zeichnet ein wenig schmeichelhaftes Bild. Die Autoren erwecken den Eindruck, als habe sich bei der Ticketvergabe im Laufe der Jahrzehnte ein undurchsichtiges System von Bevorzugungen, Gefälligkeiten und kumpelhaften Handschlag-Verabredungen etabliert.

Mit dem Ergebnis, dass mehr als die Hälfte (60 Prozent) der Festspielkarten nicht im freien Verkauf landet, sondern über Extra-Kontingente für spezielle Abnehmer vertrieben oder gleich verschenkt wird.

Das Fazit der Prüfer: „Der Bundesrechnungshof hält die hohe Kontingentierung der Eintrittskarten mit den Förderzielen des Bundes für nicht vereinbar und empfiehlt, die Kontingente weitestgehend abzuschaffen.“ 

„… die Kontingente weitestgehend abzuschaffen.“ Eine andere Lösung gibt es nicht.

Zitat: „Kern des Problems ist laut Bericht eine Vielzahl von Privilegien für alle möglichen Gruppen und Personen, die als eine Art Gewohnheitsrecht eingefordert wurden.

Die Liste der Abnehmer, die in den Genuss von Kontingenten oder gar Freikarten kommen, ist lang. Sie umfasst unter anderem die mächtige Mäzenatenvereinigung „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ (GdF), Firmensponsoren, Vertreter der CSU-dominierten Verwaltung (Stadt Bayreuth, Bezirk Oberfranken, Bayerische Staatskanzlei), Richard-Wagner-Verbände sowie Solisten, Dirigenten und Regisseure. Auch Journalisten erhalten pro Jahr rund 1000 Karten. Der Bayerische Rundfunk bekommt dazu noch ein Extra-Kontingent, warum auch immer.

Die meisten Regelungen beruhen auf mündlichen Absprachen. Bei 19 von 20 Reiseveranstaltern, denen die Festspiele exklusive Tickets zuschanzten, wurde auf störende Formalitäten ganz verzichtet.“ 

So detailliert war das bisher noch nirgendwo zu lesen. Und es ist ja auch unglaublich.

Am Grünen Hügel herrscht anscheinend eine Parallelgesellschaft, mit eigenen Gesetzen, die im Rest der Welt nicht gelten.

Die Rechtsform der „gemeinnützigen Stiftung“ verlangt, dass die gesamte Allgemeinheit einen Nutzen davon hat. Bei geheimen  Sonderkontingente in Höhe von 60 Prozent für exklusive Gruppen und geschäftstüchtige Firmen entfallen jedoch die Voraussetzungen für eine Steuerbefreiung. Falls die Merkmale des „Subventionsbetrugs“ erfüllt werden, handelt es sich um eine Straftat, also einen Fall für die Gerichte. Ebenso, wenn unberechtigte private Vorteile aus der Firma gezogen wurden (Korruption). Falls es um Steuerhinterziehung geht, muss das Finanzamt sich einschalten.

Das Urteil des Bundesrechnungshofs: „Die Bayreuther Festspiele GmbH hätte längst ein zeitgemäßes, sicheres und wirtschaftliches Ticketsystem in Betrieb nehmen müssen.“

 „… hätte längst ….“

Eine offizielle Reaktion vom Grünen Hügel zu den Details der vielen Mängelrügen gibt es immer noch nicht. Nur Phrasen und unverbindliche Leerformeln.

Das ist angesichts der oben konkret zitierten Bevorzugungen und Sonder-Zuteilungen sehr auffällig. Die Vertuschungs- und Vernebelungstaktik der Nutznießer gehört zum bisherigen Programm. 

Der Rechnungshof aber will eine „weitestgehende Abschaffung der Kontingente.“ 

Ob die jetzige Festspielleitung für solche Änderungen  geeignet ist, darf bezweifelt werden, denn die beschriebenen Unsitten gibt es vermutlich schon seit vielen Jahren. 

In vergleichbaren Fällen sind die Führungskräfte zurückgetreten oder abgelöst worden. Warum hier nicht?

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