Falschmeldungen zur Kartenverteilung

29.6.2011. Nachdem der Verwaltungsrat getagt hat, wurden gestern sonderbare Erklärungen abgegeben:

http://www.infranken.de/nachrichten/kultur/Bayreuther-Maezene-wollen-Karten-fuer-ihre-Millionen;art182,176607

Zitat des Verwaltungsratsvorsitzenden Toni Schmid: „Die Festspiele erwirtschaften Schmids Angaben zufolge 57 Prozent ihres Etats selbst. … Auch die neuen Festspielleiterinnen Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier hätten bewiesen, dass sie gut wirtschaften und hart sparen können.  „Die Festspiele schreiben keine roten Zahlen.“

Das ist falsch. So lange Subventionen und Spenden verbraucht werden, existieren rote Zahlen. Eine Kostendeckung „von 57 Prozent“ bedeutet ein Defizit von 43 Prozent. „Gut wirtschaften und hart sparen“ – das muss erst noch kommen. Dafür gibt es mehrere Beispiele, auch bei der Bayreuther Neubauplanung und anderen Organisationsfehlern.

Zitat: „Am Betriebskostendefizit von derzeit etwa sieben Millionen Euro beteiligen sich der Bund und der Freistaat Bayern mit 2,3 Millionen Euro pro Jahr.“

Es gibt also doch ein Defizit. Mit anderen Worten: Rote Zahlen. In einem einzigen Artikel widerspricht der Verwaltungsratsvorsitzende  sich selbst.

Zitat: „Schmid und von Waldenfels verwiesen auf erhebliche Mängel an der Bausubstanz des Festspielhauses. Wenn die Gesellschaft der Freunde die benötigten neun Millionen Euro nicht aufbringen könne, müsse der Steuerzahler dafür aufkommen.“ Toni Schmid: „Die Mäzene entlasten den Steuerzahler, es wäre nicht klug, wenn man gerade hier Hand anlegen würde.“

Auch das ist falsch. Herr Schmid scheint sich mit den Feinheiten der komplexen Materie nicht auszukennen. Wenn die erheblichen Mängel bei der Kartenverteilung beseitigt werden, wird es auch weiterhin Spenden geben. Und wenn die Gesamtsumme vorübergehend sinkt, muss man nach anderen Quellen suchen. Toni Schmid muss neutral bleiben. Als Gehaltsempfänger im Kunstministerium muss er auch die Interessen der Bevölkerung vertreten.

Georg von Waldenfels ist da in einer ganz anderen, nachvollziehbaren  Situation. Als Vorsitzender des Freunde-Vereins muss er die Interessen der Mitglieder vertreten, sonst rebellieren sie. Zitat: „Der frühere bayerische Finanzminister verwies darauf, dass die Mäzene den Festspielen seit 1951 mehr als 60 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hätten. „Die Spender gehen davon aus, dass sie im Gegenzug auch Festspielkarten bekommen.“

Zur Klarstellung: Die Freunde haben ihre Spenden bisher schon von der Steuer abgesetzt – also von den Einnahmen des Finanzamts. Es zahlte also auch hier die Allgemeinheit, die aber großenteils nichts davon hat.

Dann heißt es: „Die Mäzene entlasten den Steuerzahler“.

Alles in Bayreuth wird durch erhebliche Steuersubventionen mitfinanziert. Also zahlt die Öffentlichkeit überall mit, auch wenn Sonderkontingente an Privilegierte verteilt werden.

Die merkwürdigen betriebswirtschaftlichen Traditionen Bayreuths stammen noch aus der Zeit des privaten Familienbetriebs, der frei schaltete und waltete wie Ahnvater Richard.

Aber seit 1973 müssen die gesetzlichen Regeln einer gemeinnützigen Stiftung beachtet werden, zum Wohl der Allgemeinheit. Das ist nicht geschehen. 

Aber dem Rechnungshof ist es jetzt aufgefallen.

Die „Spendenbereitschaft“ muss selbstlos sein, darf nicht auf Gegenleistungen schielen. Die finanziellen Vorteile einer Stiftung dürfen nicht verknüpft werden mit der Bevorzugung von Millionären und Sonderkontingenten, also sechzig Prozent Festspielkarten, die dem „freien Verkauf“, also der steuerspendenden Allgemeinheit entzogen werden.

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