Amigo-Cliquen, Kleinstadt-Klüngel und die Gier nach Karten

25.6.11. Der frische Skandal über die schlechte Kartenverteilung verstärkt auch die Frage nach den Ursachen.

Wenn unglaubliche sechzig Prozent des Angebots am Grünen Hügel Jahr für Jahr aus dem „freien Verkauf“ verschwinden, handelt es sich um 36.000 Sitzplätze, auf denen exklusive Millionäre, Beziehungskünstler, persönliche Freunde oder Freikarten-Genießer dem Rest der Menschheit einfach die Plätze wegnehmen. Die Beteiligten haben konkrete Zahlen bisher geheim gehalten, um ihre Vorteile nicht zu verlieren.

Schweigen war die Lösung, und viele haben dabei mitgemacht. Zu viele.

Alle Verantwortlichen schweigen öffentlich, und der Festspielsprecher fand bisher nur Ausreden.

Die steuerfinanzierte Stiftung muss ihr Angebot an alle verteilen, mit transparenten Wartelisten und offenem Visier.

Das jedoch ist nicht geschehen.  Jetzt gehen alle in Deckung.

Doch es ist jederzeit leicht möglich, die Verantwortlichen festzustellen, auf allen Ebenen. Sie haben sich stark geglaubt und sind doch schwach geworden. Fehlbesetzte Führungspositionen, mangelnde Sachkenntnisse und Missmanagement haben zu Fehlentwicklungen geführt, die immer mehr Schaden anrichten.

Auf Einzelne loszugehen, macht dabei keinen Sinn. In Kleinstädten herrscht ein ungeheurer Anpassungsdruck. Wer nicht mitmacht, steht allein im Regen. Aber die Parteien hätten sich gemeinsam für einen Kurswechsel entscheiden können – und müssen.

Das Ganze wird noch peinlicher, wegen der passiven Rolle der sonstigen offiziellen Kontrollorgane bei den Staatsregierungen in München und Berlin. Haben sie sich bei Premieren-Empfängen im Neuen Schloss, bei  sonstigen Exklusiv-Einladungen  oder bei Sekt-Umtrunken den klaren Verstand umnebeln lassen?

Waren sie völlig ahnungslos, haben sie pflichtwidrig nicht genau genug hingeschaut oder waren sie an den Machenschaften beteiligt?

Hier besteht die Möglichkeit, dass jeder auf den anderen zeigt und die Schuld weit von sich weist.

Aber das dürfte diesmal nicht funktionieren. Denn jetzt ist das Ganze öffentlich bekannt und auch schon durch die Presse gegangen. Die Hintergründe aufzuklären, darf niemand behindern, vertuschen, verschleiern, aussitzen oder totschweigen, wenn er nicht selbst den Eindruck erwecken will, zum Personenkreis der unberechtigten Nutznießer, der Drahtzieher oder der sonstigen Beteiligten zu gehören.

Vernebelungstendenzen und Ablenkungsversuche gibt es bereits. Werden sie stärker sein als die Einsicht, dass es so nicht weitergeht?

Auch die Eintrittskarten für die diesjährigen Kinderopern sind schon verteilt und ausverkauft. Totzdem sind auch hier hohe Subventionen notwendig, um die Unkosten zu decken. Sie werden von den Spendern natürlich von der Steuer abgesetzt. Das heißt, die Allgemeinheit zahlt immer mit, obwohl sie gar nicht gefragt wurde und die Projekte umstritten sind.

Und das ist ja längst nicht alles. Es gibt noch ganz andere ungelöste Probleme:

„Bargeld lacht und Freikarten winken“

https://btpersp.wordpress.com/2011/09/11/bargeld-lacht/

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