Die Pyramide der Weisheit

15.6.2011. Warum wird Richard Wagner auf der ganzen Welt verehrt und an allen großen Opernhäusern gespielt ?

Die Gründe liegen tief unter der Oberfläche, in der Macht der Archetypen, der uralten Symbolbilder.
Dafür nur ein Beispiel: Die Pyramide ist eines der ältesten Symbole der Menschheit.
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Vor viertausend Jahren waren Pyramiden die Grabstätten der Pharaonen im Alten Ägypten. Seitdem sind sie auch ein Symbol geistiger Kraft und Spiritualität, das zum Grünen Hügel passt – so wie er eigentlich sein sollte.
Denn Richard Wagners Texte enthalten eine Bildersprache mit zahllosen Allegorien und Metaphern, die man entziffern und deuten kann, so wie es längst auch bei den ägyptischen Hieroglyphen möglich ist.
Nehmen wir nur ein Beispiel dafür. Die Stufen einer Pyramide sind vergleichbar dem Lebensweg des Menschen, der im Lauf der Jahre immer mehr Erfahrungen gewinnt und die höchste Stufe der Erkenntnis erreichen kann: Die Erleuchtung.  Ganz oben endet die Spitze der Pyramide im sogenannten Deckstein. Die Verbindung zum Kosmos. Zum Numinosen. Zur Ewigkeit. Diese große geistige Pyramide zu bauen und zu vollenden, ist eine Lebensaufgabe.

Die Pyramide gehört auch zu den zentralen Bildsymbolen der Freimaurer. Das Bayreuther Logengebäude steht in unmittelbarer Sichtweite von Haus Wahnfried.
Diese freie Sichtachse zum Nachbargrundstück zu unterbrechen – durch die geplante, monströse neue Ausstellungshalle – würde die historische Verbindung ignorieren, die es zwischen Richard Wagner und den Freimaurern gab.
Die verschwiegene Vereinigung wirkt auf der ganzen Welt und half auch schon an führender Stelle bei der Gründung der USA.
Auf der amerikanischen Ein-Dollar-Note findet man das folgende Symbol einer Freimaurer-Pyramide, gekrönt von einem weit geöffneten Auge mit einem Strahlenkranz:
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Die Inschrift lautet:
„Novus ordo seclorum“. „Neue Ordnung der Jahrhunderte.“
Oder „Neue Weltordnung“.

Es geht also um geistige Kraft und politische Macht, deren höchste Stufe die Weltherrschaft ist, in der New Yorker Wall Street genauso wie in Wotans Walhall.
Zur Meditation über die universale Macht des Geistes fordert  das Werk Richard Wagners heraus, verstärkt durch eine ozeanische, hoch emotionale Musik.
Seine Helden wie Tannhäuser und Parsifal kämpfen sich durch leidvolle Lebenserfahrungen, um schließlich Einsicht und Erkenntnis zu finden.

Wirkungsvolles Hauptelement der Wagnerwerke ist die mächtige Bildersprache des Symbolismus.
Wer die zahlreichen Metaphern und Allegorien ignoriert, bleibt an der Oberfläche stecken.
Seit Urzeiten wurden religiöse Rituale von eindringlicher Musik begleitet, von Trommeln, Flöten und Chören. Die zeitlosen Bilder der Archetypen spiegeln uralte Träume, die seit Millionen Jahren im Gedächtnis der Menschheit immer weiter leben, weil die psychischen Grundkonstellationen sich nicht verändern.

Der 24. Juni, der Johannistag, der im Mittelpunkt der Meistersinger steht, steht in enger gedanklicher Verbindung mit dem 21. Juni, dem längsten Tag des Jahres und der Mittsommernacht.  Dann erreicht die Sonne ihre höchste Mittagshöhe. Es folgt die kürzeste und geheimnisvollste Nacht des Jahres. Die Sonnenwende mit ihren uralten vorchristlichen Mythen, Bräuchen und Ritualen. Im süddeutschen Hochgebirge werden dazu immer noch zahllose Feuer entzündet, auf der Zugspitze, am Fellhorn und Nebelhorn, Wallberg und Kampenwand.
Der Johannistag ist auch ein wichtiger Tag der Freimaurer, deren Bayreuther Loge bereits im Jahr 1741 gegründet wurde und die starken Einfluss auf Wagners Spätwerke hatten.

Gurnemanz erklärt dem zunächst unwissenden Parsifal:
„Ihr wisst, dass nur dem Reinen
vergönnt ist, sich zu einen
den Brüdern, die zu höchsten Rettungswerken
des Grales Wunderkräfte stärken.“

Zehn seiner Meisterwerke hat Wagner für Bayreuth genehmigt. Die heilige Zahl entspricht den zehn Sephirot am hebräisch-kabbalistischen Baum der Erkenntnisgrade, deren höchster Zweig die Erleuchtung ist.
Das ist ein Bild für die Transformation des Bewussteins auf eine höhere Ebene.
Die einzelnen Stationen der 33 rituellen Erkenntnisgrade verweisen immer wieder auf Stellen des Alten Testaments, der Geschichte des jüdischen Volkes und den als Ketzer verfolgten mittelalterlichen Ritterorden der Templer, der auch Vorbild war für Wagners Gralsritter.
Das Licht des Grals …
Das „freimaurerische Licht“ ist das wichtigste Symbol der Freimaurer und bedeutet die höchste Stufe der Erkenntnis: Die Erleuchtung.

Der „Meister vom Stuhl“ ist der Titel jedes örtlichen Logenmeisters.
Damit meinen die Freimaurer den irdischen Stellvertreter – auf dem Stuhl Gottes, dem Thron des Weltenherrschers, von dem er in der alttestamentarischen Apokalypse das Jüngste Gericht verkündet und die Namen der Auserwählten, die fortan mit ihm leben in ewiger Gemeinschaft.

Schaut man von der südlichen Terrasse des Bayreuther Festspielhauses die Auffahrtsallee hinab, sieht man am Horizont, in der Ferne, den markanten Turm der Bayreuther Stadtkirche.
Auch das ist eine spirituelle Verbindung. Denn die Freimaurer akzeptieren kluge Angehörige sämtlicher Konfessionen und Weltreligionen, wenn sie dem „Allmächtigen Baumeister aller Welten“ dienen.

Im  Bestseller von Dan Brown, „Das verlorene Symbol“, spielt die Handlung ausschließlich in der amerikanischen Hauptstadt Washington. Dort erforscht eine Familie „Solomon“ die letzten Geheimnisse. Die Namensverwandtschaft zum weisen jüdischen König Salomo und dessen Tempel ist offensichtlich.
In Bamberg gibt es einen Domberg. In Jerusalem gibt es einen Tempelberg. Und auch in Bayreuth.
Die Auserwählten wollen auf der ganzen Welt eine Herrschaft des Geistes und der Spiritualität aufbauen.
Ob damit auch die höchste politische Macht, die Weltregierung, zusammenhängt, ist eine ganz andere Frage.

Jedenfalls findet man am Festspielhaus starke mystische Symbole.
Ein deutliches Zeichen dafür, wie die Werke aufzuführen sind.
Bayreuth ist ein zeitloses Mysterium großer alter Sagen. Im Mythos verborgen sind philosophische Denk-Gebäude und universale Urelemente der menschlichen Existenz, vertieft von einer gewaltigen Musik mit vulkanischen Kräften.
Die heutige Praxis der banalen politischen Aktualisierungen hat damit leider nicht viel zu tun.

„Hier schließ‘ ich ein Geheimnis ein,
Da ruh‘ es viele hundert Jahr:
Solange es verwahrt der Stein,
Macht es der Welt sich offenbar.“

Ein Blatt mit diesem Text legte Wagner selbst in die Schatulle, die im Grundstein des Festspielhauses eingemauert wurde.
Ein klarer Hinweis auf die Geheimnisse der Mysterienspiele.
Das ist die zentrale, hintergründige Idee der Festspiele, die leider schon seit vielen Jahren schwer vernachlässigt wird.

Dazu gehört auch „Die Symbolik der mittelalterlichen Kathedralen“

https://btpersp.wordpress.com/2011/05/04/die-symbolik-der-mittelalterlichen-kathedralen/

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