Das Weltkulturerbe

 
12.6.2011. Die ruhmreiche Liste des Weltkulturerbes der UNESCO enthält den Kölner Dom, die Würzburger Residenz, die Wartburg bei Eisenach  und andere herausragende Monumente.
 
 
Bayreuth wird dort nicht erwähnt. In Oberfrankens Hauptstadt wurde im Rahmen des Denkmalschutz allerdings die Eremitage mit ihren weitläufigen Parkanlagen als eindrucksvolles Ensemble behutsam erhalten.
Auch das Markgräfliche Opernhaus wird sorgfältig restauriert.
 
Noch bedeutsamer und weltweit bekannt ist das architektonische Erbe Richard Wagners: Der Grüne Hügel und der stille  Wahnfried-Garten.
 
Doch bei der Beschäftigung mit diesen historisch wertvollen Orten hört man von der Welterbe-Liste  gar nichts. Und nicht einmal der Denkmalschutz steht hier an erster Stelle.
Denn der Garten mit Wagners Grab soll durch einen langweiligen Neubau verschandelt werden. Gigantische Neubaupläne am Grünen Hügel wurden erst kürzlich, vorerst auf Eis gelegt. Hinter verschlossenen Türen wird getuschelt, was man trotzdem noch anstellen kann, um Geld auszugeben und vielleicht ein Stück vom Kuchen zu bekommen. Große Gewinne lassen sich dabei nicht erzielen. Denn die Gesamtzahl  der Festspielkarten bleibt gleich, also lässt sich auch die Zahl der Gäste nicht wesentlich vergrößern, zumindest nicht bei der Aufführung der Hauptwerke. Von  den Karten gehen außerdem unzulässige, üppige Sonderkontingente an Privilegierte.   Jahr für Jahr blockieren die gleichen Akteure und Zielgruppen den  frischen Wind und halten neue Gesichter fern. Der Schnickschnack drumherum, zum Beispiel die nervenden und Platz fressenden Kinderopern, sorgt für Umsätze, ist aber ebenfalls hoch subventioniert und überflüssig.  
 
Die steuerspendende Bayerische Staatsregierung in München und die Berliner Bundesregierung bleiben dabei diskret im Hintergrund, obwohl sie als Kontrollorgane aktiv werden müssten.
Auch die aufsichtführende Regierung von Oberfranken, nur ein paar Meter vom zentralen Markt entfernt, glänzt durch vornehmes Schweigen. Man kennt sich, man sieht sich.
Bei den  festlichen Empfängen nach der Premiere klirren die Sektgläser. Auch nach verhagelten Inszenierungen herrscht gute Laune, weil man dabei war, und am nächsten Tag gibt es bunte Photos in der Klatschpresse.
Es lebe die Oberfläche – ein paar Tage später sind die auswärtigen Besucher abgereist, weit weg! Und man ist wieder unter sich.
 
Außerhalb der fünf Festspielwochen sind die lokalen Machtzentren des überschaubaren Orts lebendig: Die  Honoratioren, Spitzenbeamten, Vereinsmitglieder, Stammtische, Sportvereine, Investoren,  die sich teilweise schon aus gemeinsamen Kindertagen kennen.
 
Trotzdem ist die Stadtkasse leer, weil ein paar Grundregeln nicht beachtet werden: Geld ist nicht nur zum Ausgeben da, sondern viel wichtiger ist die sinnvolle Verwendung und die frühzeitige Vermeidung von Fehlinvestitionen.
 
Preiswerter als jeder Neubau ist die Restaurierung und Sanierung wertvoller alter Bausubstanz.
 
In die Nähe berühmter historischer Stätten gehören überhaupt keine Modernbauten. Gärten sind Teil des geschützten Ensembles oder müssen so behandelt werden.
Auch am Grünen Hügel sind Erweiterungsbauten überflüssig, wenn man die Arbeitsabläufe verbessert. Für die saisonal und zeitlich begrenzte Nutzung als Opernbetrieb kann man ein paar Hallen im Bindlacher Industriegebiet anmieten, als Lager und für Probenzwecke. Dann können sogar ein paar Monsterbauten hinter dem Festspielhaus ersatzlos abgerissen werden.
Als Ersatz können parkähnliche Elemente das  Auge erfreuen, also Sträucher, Bäume, Hecken, damit der grüne Beiname des Hügels wieder mehr Gewicht erhält.
 
Von solchen Plänen und Ideen hört man nichts. Das Weltkultur-Erbe spielt nicht die Hauptrolle, denn das stört nur die Freiheit der kurzsichtigen Zukunftsplaner, die materielle Verwertung und Vermarktung. Um was geht es eigentlich?
Kunst? Ja, die gibt es auch, aber nicht immer in Spitzenqualität.
Die bildgewaltigen Träume von Ahnvater Richard entziehen sich jedem Mittelmaß und lösten deshalb in den letzten Jahren katastrophale Inszenierungen aus.
Aber ist das denn so wichtig? Musik ist unsichtbar. Kaum, dass sie ertönt,  ist sie auch schon wieder verklungen. Der vierteilige Nibelungenring zeigt: Alles ist flüchtig, also unwichtig, im Schimmer von Gold, Gier und Macht. 
Doch was kommt am Ende dabei heraus? Nur der verblassende Glanz einer untergehenden  Epoche, eines öden, banalen Materialismus, dem die geistige Perspektive des  Welterbes  fremd bleibt.
Begrenzte, befristete Macht und Herrschaft vergehen, vom Winde verweht…
 
„Gone with the wind“, ein Kunstwerk von 1939, mittlerweile 72 Jahre alt und doch unsterblich:
 
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