Die Macht des Unsichtbaren

12.6.11. Wenn etwas unsichtbar ist, bedeutet das keineswegs, dass es nicht existiert.

Am heutigen Pfingstsonntag schreibt die „FAZ am Sonntag“ umfangreich über die Erforschung des Universums. Sterne und Galaxien füllen nur 2 Prozent des Kosmos. Gas- und Staubwolken belegen 13 Prozent.

85 Prozent des Weltalls jedoch bestehen aus Dunkler Materie, die von der menschlichen Wahrnehmung nicht direkt erkannt werden kann, sondern deren Wirkung nur durch physikalische Messungen und Computerberechnungen nachzuweisen ist.

Auch Richard Wagner hatte eine Vorliebe für vergangene, längst verschwundene Epochen und für ferne, prähistorische Zeiten, die nur durch die Fragmente der ärchaologischen Forschung wieder rekonstruiert werden können.

Die unsichtbare Macht der Musik verstärkte Wagner durch eine starke Bildersprache. Farben. Symbole. Allegorien. Metaphern. Diese Zeichen muss man entdecken und erkennen, darf sie jedoch nicht verfremden oder einfach weglassen. Denn sie rühren an Signale aus dem Unterbewusstsein, an die Schatzkammern der Emotionen, der  Phantasie und der Magie.

Man muss sich also mit den Geheimnissen der  Tiefenpsychologie beschäftigen, wenn man die starke Wirkung der Wagnerwerke verstehen will. Die sogenannten „politischen Aktualisierungen“ des spätsozialistischen Regietheaters lenken davon nur ab. Sie  erzeugen rücksichtslose Willkür und Skandale, in einer nervenden, belehrenden Atmosphäre, die das reiche Innenleben der Werke ignoriert.

Sigmund Freund veröffentlichte im Jahr 1900 eines seiner fundamentalen Hauptwerke: „Die Traumdeutung“. Darin findet man keine astrologischen Ferndiagnosen oder spekulative Voraussagen über die Zukunft.

Die Träume sind für Freud ein Spiegel des Innenlebens und der psychischen Abläufe. Alltägliche Spannungen und Ereignisse werden im Traum weiter verarbeit und verbinden sich mit früheren, halb vergessenen oder verdrängten Erlebnissen. Sein Schüler C.G.Jung ging sogar noch weiter und sprach von archetypischen Bildern, die seit prähistorischen Zeiten das aktive Bewusstsein beeinflussen und deren elementare Abläufe in jedem Menschen vorhanden sind, wenn auch in individuell unterschiedlichen Varianten.

Die menschliche Psyche besteht nach den Erkenntnissen von Sigmund Freud aus drei Ebenen:

Da gibt es erstens das Ich, das Bewusstsein.

Zweitens das Über-Ich, den Einfluss anderer Menschen und wechselnder Situationen.

Und drittens das Unterbewusstsein, wo unsichtbar verdrängte Probleme und Erinnerungen schlummern, die auf Signale warten, um aktiv zu werden. 

Wenn die sichtbaren und die unsichtbaren Kräfte sich miteinander verbinden, wird eine starke Energie frei.

Auch Richard Wagner spürte diese Zusammenhänge und setzte sie wirkungsvoll in seinen Meisterwerken ein. In der Götterdämmerung berichten die Schicksals-Nornen darüber: Wotan schneidet einen Ast von der Weltesche ab, dem Symbol einer archaischen Weltordnung, die viel älter und mächtiger ist als Walhall. Die Verletzung dieser alten Ordnung aus Machtgier eröffnet den langsamen, aber unaufhaltsamen Untergang von Wotans Macht.

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