Nostalgische Bilder: Kay Wörsching, Margot Werner

28.5.2011. Schickeria.  Große Abendgarderoben. Die Glamour-Gesellschaft gibt es bei den Bayreuther und Münchner Opernpremieren immer noch. Aber die Hauptsache, die künstlerische Qualität der Inszenierungen, leidet und ist oft zum Tummelplatz von nervenden Selbstdarstellern des Regietheaters geworden.  Der große gesellschaftliche Anspruch fällt kraftlos in sich zusammen, wenn der künstlerische Anspruch nur noch als schillernde Seifenblase an der Oberfläche glitzert. Auch das gähnende Publikum schluckt meistens applaudierend und kritiklos, was auf dem goldgerahmten Teller serviert wird. Am wichtigsten sind für manche Besucher die Pausen, in denen man seine Garderobe zeigt und oberflächlichen Tratsch verbreitet.

Nostalgische Bilder erinnern an ganz andere Zeiten und ein Lebensgefühl, das nicht von Wichtigtuerei  und Angeberei dominiert war. Kay Wörsching ist in München  allseits bekannt:

http://www.welt.de/print-wams/article617926/Das_Wohnzimmer_der_Stars.html

http://www.youtube.com/watch?v=hYblpJQIfAQ

Und hier Margot Werner:

http://de.wikipedia.org/wiki/Margot_Werner

http://www.youtube.com/watch?v=J65uMt5RGh8

Wenn man heute mit solchen Zeitgenossen / Zeitzeugen spricht, die allein durch ihre starken Persönlichkeiten wirken, erinnert man sich auch an menschlichere Jahre – ohne massive „Gentrifizierung“: Das ist in den Großstädten die Vertreibung  der Normalbürger durch Superreiche und Finanzinvestoren. Hierzu ein Grundsatz-Artikel:

http://de.wikipedia.org/wiki/Gentrifizierung

Die letzte Buchhandlung an der Münchner  Maximilianstraße hat bereits vor Jahren geschlossen. Geist flieht vor Protz. An Deutschlands teuerster Einkaufsmeile reiht sich mittlerweile eine exklusive Modeboutique an die andere. Luxus-Immobiliensanierungen vertreiben auch die alteingesessenen Bewohner ärmerer Stadtviertel.

Eine Welt, die das menschliche Gleichgewicht verloren hat, gerät aus den Fugen, verliert ihre Form und erzeugt Spannungen.

Früher hieß es in München: „Leben und leben lassen.“ Aber das einst gemütliche Millionendorf wird immer mehr zum Zweitwohnsitz für Millionäre und Karrieristen.

Das war früher anders. „Kay’s Bistro“ am Viktualienmarkt war bis Ende 2004 das zweite Wohnzimmer weltberühmter Leute, aber kein Treffpunkt für Angeber und Neureiche. Es gab noch nicht einmal einen Türsteher. Wer meinte, er müsste dort seine Zeit verbringen, konnte das auch, ohne abgewiesen oder dumm angeschaut zu werden.

Kay  Wörsching ist ein unkomplizierter Mensch, genauso auch Margot Werner.  Beide habe ich gestern Nachmittag zufällig in der Münchner Altstadt getroffen und mit ihnen gesprochen. Das sind Künstler, Entertainer,  bekannte Zeitgenossen ohne jede Arroganz, die auch bei Zufallstreffen angenehm und aufmerksam sind.

Margot Werner macht nicht nur auf  dem Bayreuther Roten Teppich eine gute Figur, sondern sie liebt auch die Wagnermusik. Mit ihrer tiefen Stimme singt sie gern eine eindrucksvolle Passage aus dem zweiten Akt der Walküre: „Zu Wotans Willen sprichst du, sagst du mir, was du willst. Wer  bin ich, wär ich dein Willen nicht?“

Und die Interpretation dieser zwei Sätze ist auch interessant. Sie bedeuten eine große Vertrautheit, die  tiefe geistige Verbindung eines Menschen mit einem anderen.  Bei Richard Wagner ist das oft auch die Unio Mystica. Die geheimnisvolle Vereinigung mit Gott.

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„Die Sehnsucht nach dem Unerreichbaren“, heißt das Erinnerungsbuch der Sängerin  Anja Silja, deren Name mit Wieland Wagner und Bayreuths Goldenen Jahren von 1951 bis 1966 fest verbunden ist. Lange ist das her …

Das Unerreichbare, die Sehnsucht – das  ist ein Maßstab für die große Kunst, die sich mit dem Mittelmäßigen nicht zufrieden gibt, aber auch um ihre Grenzen weiß.

„Kennst du das Land, wo die Zitronen blühen, im dunkeln Laub die Goldorangen glühn? Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht. Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht.

Kennst du es wohl? Dahin! Dahin möcht‘ ich mit dir, O mein Geliebter, ziehen. Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach, Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach. …

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?  Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg. In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut. Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.

Kennst du ihn wohl? Dahin! Dahin geht unser Weg!“

(Goethe, Mignon)

Und hier gibt es noch mehr musikalische Zufallsbegegnungen:

.https://btpersp.wordpress.com/2011/02/26/strasenmusikanten-h%e2%80%99ugo%e2%80%99s-pizzeria-margot-werner/

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