Der Fall Furtwängler

16.6.2011. Wilhelm Furtwänglers Biographie wird oft unter politischen Aspekten diskutiert. Gleichzeitig feiert die musikalische Welt seine Deutungen der klassischen Meisterwerke.

Während viele Künstler vor dem Terror des Dritten Reichs in andere Länder flüchteten, blieb Furtwängler in Deutschland. Die Nazis hofierten ihn, aber er biederte sich nicht bei ihnen an, half jüdischen Musikern und setzte sich für den verfemten Komponisten Paul Hindemith ein. 

Aus bequemer heutiger Sicht lassen sich Vorwürfe gegen Furtwängler konstruieren, aber hätten alle heutigen Antifaschisten damals das Land verlassen, wäre es menschenleer gewesen. Bekanntlich ist das jedoch nicht geschehen, denn sonst hätten die Vereinigten Staaten und England nicht eingreifen müssen, um  Hitler zu vertreiben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Furtwängler im Ausland willkommen, auch bei den vorherigen Kriegsgegnern. In einem Londoner Studio gelang ihm eine berühmte Tristan-Aufzeichnung, und in Schweden eine mystische Aufnahme des Brahms-Requiems. In Bayreuth eröffnete er 1951 die ersten Nachkriegs-Festspiele mit Beethovens 9. Sinfonie.

Die vorhandenen Film- und Tondokumente haben zeitbedingte akustische Mängel, aber sie überliefern eine  Leidenschaft, Spannung und emotionale Wucht, die von seinen Nachfolgern bisher nicht übertroffen wurde. Seine Wagneraufführungen sind auch heute noch Maßstab für alle anderen.

Das Brahms-Requiem, am 19.11.1948 in Stockholm:

http://www.youtube.com/watch?v=fQymrCUKREU

Strauss, Fledermaus-Overtüre

http://www.youtube.com/watch?v=WpUkPehNiyk

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