Die Liebe zu Bayreuth

1. Mai 2011. Bayreuth ist immer eine Reise wert, und sei es auf der Durchreise nach Nordsibirien.

Am 29. und 30.4.11 war es wieder so weit. Eine private Fahrt in das vierzig Kilometer entfernte, oberfränkische Münchberg brachte auf der Hin- und Rückreise wieder ein paar Stunden in der Festspielstadt.

Als Erstes die Inspektion des gefährdeten Wahnfried-Gartens. Äußerlich unversehrt, sind im südwestlichen Bereich bereits drohende Pflöcke eingeschlagen, zur Umgrenzung der geplanten Baugrube. Mittendrin ein prächtiger Baum, der angeblich gefällt werden soll. 

Wagt es nicht ! Des Meisters rächende Hand hebt sich aus seinem Grab, gleich nebenan. Flieht vor dem rächenden Ring, der Unheil  verheißt und Schmach ohne Ende. Meidet die düsteren Nornen. Sie rufen den Roten Main. Er tritt über die Ufer, überflutet den Wahnfried-Garten und schwemmt  alle Bagger und Baumaschinen fort in die Abwässerkanäle. Die riesige Welle wälzt sich weiter zum hässlichen Rathaus, überflutet den Sitzungssaal der Stadträte  und trägt  sie fort bis an das Ende der Welt. 

Der historische Tiefpunkt am 27.10.10, der fast einstimmige Beschluss der Stadtspitze, einen langweiligen, teuren Neubau ausgerechnet neben das Grab von Meister Richard hinzuklotzen, bedeutet die überflüssige Verschwendung von mittlerweile 14 Millionen Euro Steuergeldern, die glücklicherweise bisher nicht zusammengekratzt wurden. Wenn der Neubau wirklich beginnt, wird es Einsprüche und Beschwerden hageln. Wenn die Aufsichtsbehören in München und Berlin endlich aufwachen, muss der garstige Fremdkörper früher oder später sowieso wieder abgerissen werden.  Dann entstehen noch mehr Kosten, die dem Steuerzahler zu erstatten sind.

Noch einmal: Die Museumsverwaltung, nur vier Personen und ihr ständig anschwellendes Archiv, kann umziehen in das benachbarte Chamberlain-Haus.

Dann werden historisch wertvolle Flächen im Siegfried-Bau frei, die saniert werden können und hergerichtet für eine chronologische Dauer-Ausstellung, unter anderem zum mahnenden Gedenken an die schrecklichen Besucher im Dritten Reich. Eine dunkle Epoche, die in Bayreuth immer noch nicht angemessen gewürdigt wird. 

Ein junger Bayreuther sagte mir: „Haben Sie darüber schon mit Museumsleiter Dr. Friedrich gesprochen?“

„Mit dem rede ich nicht. Er ist der Leiter des Neubauprojekts, und deshalb soll er zurücktreten ! Das teure Prestige-Objekt ist anscheinend wichtiger als die Totenruhe im Garten von Richard Wagner. Die bisherige Ausstellung war außerdem ein jahrelanges Sammelsurium von Antiquitäten, hatte aber keine chronologische Ordnung. Den neuen Museumsleiter berate ich gern ! Er kann meine Idee verwenden: Die Nutzung des Siegfried-Baus als zusätzliche Ausstellungsfläche gebe ich urheberechtlich frei, wenn er mit mir darüber spricht. Ansonsten gilt das Plagiatsverbot (Guttenberg-Syndrom), fränkisch “Gobbirraith“, englisch Copyright. 

Ansonsten war Bayreuth an beiden Reisetagen wieder friedlich und beschaulich. Die gewünschten Gesprächspartner waren zwar nicht erreichbar, aber dafür gab es andere, klug und sachkundig. Es war ein angenehmer Aufenthalt ! Einer brüllte mich an: „Wir Bareidder (Bayreuther) haben Familie, und am Wochenende müssen wir uns darum kümmern. Wie kommen Sie dazu, zu schreiben, wir versteggen  (verstecken) uns in unseren Häusern ?! Das ist doch ärcherlich (ärgerlich) !“

Schon recht. Ich meinte die Verantwortlichen für die Neubaupläne. Die normalen Stadtbürger sind sehr gesprächig, und das ging gleich nach der Ankunft los.

Das Café „Händel“ hat immer noch die Atmosphäre der Fünfziger Jahre. Drinnen saßen alte Leute, und man wurde gleich anteilnehmend gefragt, „Keine Jacke dabei – ist das nicht zu kalt bei dem Wetter?“

Aber Nein! Draußen vor dem Wirtshaus  „Oskar“ am Markt konnte man schon ab 8.00 Uhr vormittags gemütlich in der Sonne sitzen und in einem frisch gekauften Buch der Markgrafenbuchhandlung blättern, aus der Reihe „Archivbilder – Bayreuth“ von Bernd Mayer, 127 Seiten faszinierende Fotos der Stadtgeschichte, von 1876 bis 1958. 

Am Markt plätscherte der neue Wasserlauf, der noch keinen seitlichen Stolperschutz hat und an manchen Stellen von unten farbig angestrahlt wird. Daneben wurde gestern ein rotweiß gestreifter Maibaum aufgestellt. passend zum heutigen Tag.

Neben dem Jean-Paul-Denkmal an der Stadthalle steht immer noch der verzauberte Siegfried-Wald aus dem zweiten Akt der letzten Ring-Inszenierung. Der stimmungsvolle Wald  kann für den Jubiläumsring 2013 verwendet werden, wenn man ihn nicht im Regen verrotten lässt, sondern in einer geeigneten Lagerhalle aufbewahrt.

Als der Abend begann, kurz vor der Rückreise,  noch einmal ein Besuch am  Wagnergrab, allein, im Dämmerschatten der alten Bäume. Und plötzlich ein Blitz. Eine starke, mystische Hand schließt sich um meine. Und dann ein Schmerz. Und dann das höchste Licht, die Erleuchtung.  Die Unio Mystica.  Die weiße Sonne der Erkenntnis. Der Freimaurer Licht.

Und was das bedeutet, liest man hier: 

„Und ich sah einen Saal, heller als die Sonne“ : 

https://btpersp.wordpress.com/2011/01/18/einen-saal-seh-ich-heller-als-die-sonne/ 

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