Walküre 1. Akt 1935, Dirigent: Bruno Walter

Walküre 1. Akt, Wien,  22.6.1935

mit Lotte Lehmann, Lauritz Melchior, Emanuel List

Dirigent: Bruno Walter

Eine Krönung aller historischen Wagner-Dokumente, am 22.6.1935 in einem Wiener Studio aufgenommen. Danach emigrierten alle beteiligten Solisten und auch der Dirigent. Sie flohen vor den Nationalsozialisten nach Amerika, um dort Triumphe zu feiern.

Die Klangtechnik der Dreißiger Jahre hat natürlich nicht die glatte Stereo-Perfektion der heutigen Zeit, aber man hat die Originale behutsam und sorgfältig restauriert. Die Aufnahme ist sehr lebendig durch ihr dramatisches Feuer. Emanuel List gestaltet den Hunding wie eine tiefschwarze Statue, mächtig schallend, dunkel drohend. Lotte Lehmann (Sieglinde) läßt den Glanz ihrer großen, lyrischen Stimme hell aufstrahlen, mit schwelgender Süße und klarer, bewusster Gestaltung.

Lauritz Melchior, immer schon ein Ausnahmesänger, erfüllt den Siegmund mit verzehrender Intensität. Manche Details brennen sich geradezu ein, sie klingen wie archaische Urlaute aus einer anderen Welt. Siegmunds dramatische Erzählungen von frühen Kämpfen und Streiten sind wuchtig, kraftvoll und gleichzeitig durchdrungen von inniger Empfindung. Im Schwertmonolog kostet Melchior alle subtilen Feinheiten aus, von bebender Angst bis zum strahlenden Heldenglanz. Und wenn die Wälsungengeschwister endlich allein sind, steigert sich ihr nächtlicher Dialog zu einer immer heftiger aufwallenden, ekstatischen Intensität. Dabei sind es immer wieder die Kleinigkeiten, die unvergleichlich gelingen. Man vergißt es nie, wenn Lotte Lehmann innehält – “O still, laß mich der Stimme lauschen.” Das wird rasch gesungen, aber jede Nuance ist ausgekostet, vom heftigen “O still” bis zum schwelgerischen “Lauschen”. Genauso Melchior, der Sturm und Feuer in der Stimme trägt, wenn er nur haucht und flüstert (“süßeste Wonne, seligstes Weib”) oder mit unfaßbarer Riesenstimme zu den Nothung-Rufen explodiert (“Heiligster Stahl, zeig deine Schärfe”).

Der Dirigent Bruno Walter treibt die Wiener Philharmoniker zu stürmischer Intensität an. Eine Wagner-Interpretation auf allerhöchstem Niveau.

Das alles ist bis heute unerreicht. Erhältlich für ein paar Euro in fast jeder Klassik-CD-Abteilung.

 

 

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