Domingos erster Siegfried

Die Ende 2001 in einem Londoner Studio dokumentierten Siegfried-Szenen fehlten vorher ganz in Domingos umfangreicher Wagner-Diskographie.

Doch für den stürmischen Helden vom Walkürenfelsen war es bei dem sechzigjährigen Sänger mittlerweile wohl zu spät. Der einst goldene Glanz klingt etwas brüchig, die bekannten Probleme mit der deutschen Sprache waren auch nach dreißig Jahren als Lohengrin immer noch nicht gelöst. Auch die Zielgenauigkeit bei den schwierigen Spitzentönen ist recht unterschiedlich.

Was bleibt, sind immer noch vernehmbare schöne Augenblicke eines lyrisch-meditarranen Belcanto-Gesangs. Domingo betont nicht das kraftmeierisch Brüllende der Rolle, wie man es aus den letzten Jahren des großen Max Lorenz kannte, sondern er belebt die poetische Dimension des Siegfried. Der Held aus dem Wald ist diesmal kein Haudrauf und Stimmberserker, sondern ein innig Träumender. So wird auch seine weltverlorene, ahnungslose Verstrickung in die finsteren Ränke am Gibichungenhof deutlicher. Das hätte früher einmal, in Domingos großer Zeit, eine ganz eigene, ernstzunehmende Rollenauffassung werden können. Doch dann kamen die Drei Tenöre!

David Cangelosi als Mime entfesselt durchdringend das übliche, meckernde Zwergen-Gezeter. Natalie Deassay als Waldvogel erscheint indisponiert und schrill, allerdings ist die kurze Zwitscherpartie nicht übermäßig groß und stört also nicht so sehr. Violeta Urmana ist endlich einmal wieder eine Brünnhilde mit satten, dunklen Klangfarben, nur ein hörbares Vibrato irritiert gelegentlich. Antonio Pappano leitet schwungvoll, romantisch, mit weiträumig hallendem Klang.

 

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