Astrid Varnay, Wolfgang Windgassen, Wagnerszenen

Astrid Varnay, Opera scenes and orchestral songs

mit Wolfgang Windgassen, Hertha Töpper

Zu Ehren der unvergessenen Sängerin hat DGG  eine wunderbare Cassette mit drei CDs herausgebracht, deren Besonderheit darin liegt, dass sie nicht die bekannten kräftezehrenden Live-Auftritte enthält, sondern unter angenehmeren Studio-Bedingungen entstand, dazu auf dem Höhepunkt der stimmlichen Möglichkeiten aller Beteiligten.

Die Mono-Aufnahmen sind nach der digitalen Restaurierung auch klanglich sehr erfreulich. Die Texte sind ganz genau zu verstehen. Das Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Bamberger Symphoniker begleiten empfindsam, die Dirigenten sind Ferdinand Leitner, Leopold Ludwig und Varnays Ehemann Hermann Weigert.Auf der dritten CD hört man Aufnahmen vom Juni 1954. Beethovens “Ah! Perfido” und vier Arien aus Verdi-Opern, teilweise italienisch gesungen und mit dramatischer Attacke. Hier muß man allerdings einschränken – Verdi singen konnten andere wohl besser, hier fehlt vielleicht auch die innere Identifikation mit den Stücken.

Bei den Wesendonck-Liedern ist Varnay endlich in ihrem Element. Indem sie Mathildes schlichten Texten mit souveräner, großer Geste nähertritt, blüht hier auch schon die ganze verführerische Tristan-Welt auf. Eine verzehrende Melancholie, verstärkt durch herbe Schicksalstöne und eine eindringliche Textgestaltung, steigert den Rang dieser anspruchsvollen Kompositionen, denen andere Sängerinnen nicht immer gewachsen sind.

Auf der zweiten CD geht es dann zur Sache. Isoldes Erzählung und Racheschwur gelingen Varnay auch in den extremen Spitzentönen, dabei klingt die Stimme nie scharf oder schrill, sondern immer auf dem Untergrund einer geheimnisvollen Traurigkeit.

Noch besser ist die Liebesszene, die man hier vollständig hört. Mit dabei ist Wolfgang Windgassen, diesmal in Hochform. Die vielen überlieferten Auftritte des Sängers sind qualitativ schwankend und leider nicht immer überzeugend. Aber hier, im April 1959, zeigt er, was einmal seinen ganzen Ruhm ausmachte, in den sechzehn Jahren, die er eng zusammenarbeitete mit Wieland Wagner, der keine künstlerische Nachlässigkeit duldete. Windgassen setzt seinen recht schlanken Tenor mit aller Kraft ein, dabei gibt ihm die eigentümliche, gebrochene Stimmfärbung die Möglichkeit, die ekstatischen Aufschwünge durch fahle, gebrochene Zwischentöne mit innerer Spannung noch zu verstärken. Mit Brangänes verwehenden Nachtgesängen fügt sich Hertha Töpper halblaut ein in das eindrucksvolle Zusammenspiel der Stimmen.

Aber ein paar Jahre vorher, 1954/1955, waren die Stars noch besser drauf (CD 1). Die Todesverkündigung (Walküre) ist tief bewegend. Das gemessene, langsame Tempo dieser Szene ist von einer ungeheuren Spannung erfüllt, sie wird feierlich zelebriert und klingt doch völlig unangestrengt. In eine ganz andere Welt führt die vollständige Liebesszene aus Siegfried – was Varnay und Windgassen hier an kraftvollen, heiteren, innigen Zwischentönen gelingt, findet man nicht so schnell wieder. Noch triumphaler ist der Auftritt der beiden im Vorspiel der Götterdämmerung. Bei dieser Abschiedsszene ist von vornherein in der Musik ein überschäumender Jubelton angelegt, als wirkungsvoller Konstrast zu den folgenden düsteren Machenschaften am Gibichungenhof. Diese euphorische Stimmung wird von den Sängern noch um einige Grade gesteigert.

Zum Abschluß singt Astrid Varnay siebzehn Minuten lang Brünnhildes Schlußgesang. Daß sie dabei alle Register zieht, ist klar. Dunkel tönend, ausdrucksvoll wird hier die ganze Bandbreite menschlicher Gefühle noch einmal in einem gewaltigen Panorama ausgebreitet.

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