Götterdämmerung – Bayreuth 1992 / Kupfer – Stuttgart 2002 / Konwitschny – Valencia 2008 / La Fura dels Baus

Götterdämmerung, Bayreuth 1992

mit Anne Evans, Eva-Maria Bundschuh, Siegfried Jerusalem, Philip Kang, Bodo Brinkmann, Günther von Kannen

Dirigent: Daniel Barenboim, Regie: Harry Kupfer, 270 Minuten

Kupfers Inszenierung des kompletten Nibelungenrings wurde bereits mehrfach im Fernsehen gezeigt. Man arbeitete damals mit neuartigen technischen Mitteln, die vorher auf den Opernbühnen noch nicht so eindringlich zu sehen waren. Auf ein Bühnenbild wurde fast ganz verzichtet, und trotzdem wurden faszinierende visuelle Räume geschaffen.

Statt naturalistischer Dekorationen entfalten sich  die Möglichkeiten des Laserlichts, das eine unerhörte Präzision erlaubt, um Linien, Gebilde und großflächige, farbige Lichträume zu schaffen und all diese Formen auch blitzschnell zu verändern.

Das Licht, dessen Glanz auch ein Widerschein des menschlichen Innenlebens ist, vereinigt sich hier mit der grandiosen Musik, zum Teil mit unvergeßlichen Wirkungen. Naturerscheinungen lassen sich mit Licht andeuten, psychische Zustände verdeutlichen und im Gleichklang mit der Musik verändern.

Die Personenführung der Solisten ist lebhaft, manchmal zu unruhig, aber immer aus dem Text heraus entwickelt. Bei den Kostümen sieht man pechschwarze, knöchellange Ledermäntel in allen Variationen.

Gesungen wird gut und hörenswert, allerdings nicht so wie auf den legendären Bayreuther und New Yorker Radio-Mitschnitten der Dreißiger bis Sechziger Jahre. Daniel Barenboim schafft ein filigranes Farbengeflecht im Orchester, das die mächtigen Bilder poetisch begleitet.Zu Beginn stehen die Nornen wie Gespenster mit kalkweiß geschminkten Totenköpfen in einem Wald aus dünnen Metallkreuzen, die plötzlich hell aufleuchten, während über ihnen gigantische Projektionen erscheinen: Die mächtigen Silhouetten eines undurchdringlichen Waldes, vor einem geheimnisvollen bläulichen Wolkenhimmel. Dieses gigantische, nur aus Licht geschaffene Naturbild begleitet sämtliche Szenen.

Siegfried verlässt Brünnhilde mit einem weißen Holzpferd. Dabei wird das Licht sekundenschnell, übergangslos verändert, und nur aus Licht entsteht wieder ein ganz neuer Schauplatz. Eine leuchtend grüne „Straße des Schicksals“ füllt die ganze Bühnenbreite und verliert sich im Unendlichen.

Der Weg aus Licht hat eine feine Struktur aus oszillierenden grünen, smaragdfarbenen Tönen. Dieser Weg ist eine faszinierende Idee, um die universale Symbolik des Werks zu zeigen, die fortschreitende Wanderung des Helden auf seinem Schicksalsweg.

Am Gibichungenhof ist fast alles schwarz. Hagen, im bodenlangen schwarzen Ledermantel mit getönter Sonnenbrille, sieht aus wie ein Geheimdienstchef (Stasi, Gestapo, Securitate?). Gunther trägt einen geblümten hellen Morgenrock, Gutrune ein helles Abendkleid. So konnte man die beiden leider schon allzu oft sehen. Der Grundton der ganzen Szene ist schwarz-grau.

Wagner jedoch verträgt grundsätzlich viel mehr Farben, viel mehr Licht. Sein bilderreicher Text und seine schwelgende Instrumentation sind auch in den ganz düsteren Szenen von einem Farbenreichtum und einer Vielfalt, dass man sich auch im optischen Teil viel mehr Differenzierung wünscht.

Hagens Mannen, in langen schwarzen Ledermänteln, klettern auf einem Gerüst aus grauen Holzleitern herum. Brünnhilde wird dazu wie eine wilde Beute hereingeschleppt, wehrlos auf einer Holztrage liegend.

Später füllen die leuchtenden Fenster stilisierter Wolkenkratzer den Hintergrund. Aktualisierung gehört also auch hier dazu. Wagner allerdings meinte das genaue Gegenteil, nämlich eine zeitlos gültige Metapher, eine Allegorie, die sich nicht in einer konkreten historischen Zeit abspielt.

Graugrüne Lichttöne beherrschen den Beginn des dritten Aktes. Die Rheintöchter singen aus durchsichtigen Plexiglas-Röhren.

Hagen eröffnet die Mord-Szene mit den Worten, „Errätst du auch dieser Raben Geraun?“ Auf dieses Stichwort beginnt Siegfried, hektisch hin- und her zu rennen, in einem großen Halbkreis. Dabei wendet er Hagen immer bequem den Rücken zu, so daß dieser mühelos den Speer einsetzen kann.

Die Todesszene hätte etwas mehr Ruhe und Würde verdient.Brünnhildes bilderreicher Schlußgesang ist ein ganz großer Wurf der modernen Kunst, mit dem Harry Kupfer das Weltendrama meisterhaft beendet. Eine pathetisches Spektakel, stilistisch eigenwillig, künstlerisch überzeugend und in sich geschlossen.

Im Hintergrund ruht der tote Siegfried auf einem bläulich angeleuchteten Katafalk. Davor umkreisen sich lauernd Brünnhilde und Hagen. Sie entreißt ihm den Speer. Sie zeigt ihm höhnisch den goldenen Ring. Mit gebieterischen Gesten weist sie ihn drohend zurück und setzt dann mit einer Fackel Siegfrieds Leiche in Brand.

Dann vergrößert sich das Ereignis zur Welt-Allegorie. Rote Dämpfe steigen aus dem Boden. Dann zucken Blitze. Menschen fliehen. Flammende Laserstrahlen flackern und flimmern über die ganze Bühne, zeichnen geheimnisvolle Figuren und Formen.

Danach hasten die vielen schwarzen Gestalten mit den langen Stasi-Ledermänteln überstürzt davon.

Kühle bläuliche Farbtöne verstärken sich. Und einmal noch erscheint die magische grüne Straße des Schicksals. Mittendrin sieht man die Rheintöchter als gespenstische Schattenfiguren, die Hagen in die Tiefe zerren.

Und die Überlebenden? Zum Schluß stehen wieder viele Menschen herum, im Smoking, in kostbaren Abendroben. Sie trinken Sekt, wie erwartet. Daneben sind auch ein paar andere, in einfacher Arbeiterkleidung, sie trinken aus Bierflaschen.

Ein kleiner Junge im schwarzen Anzug und ein kleines Mädchen im hellen Abendkleid gehen auf die Zuschauer zu. Die Zukunft ist westlich-bürgerlich… Ist sie das? Diese flüchtige politische Botschaft war 1992 schon überholt, als die Aufzeichnung entstand.

Das Bild mit den zwei überlebenden Kindern stammt aus der alten isländischen Sage vom Ragnarrök (Weltuntergang). Dort wird aber offengelassen, in welche Zukunft sie gehen. Die Politisiererei verkleinert und banalisiert die Kraft zeitloser symbolischer Bilder.

Aber da ist noch etwas Anderes, das auf die frühesten Legenden und Mythen de Menschheit Bezug nimmt. “Und es erschienen Zeichen am Himmel…”

Während der donnernden und krachenden letzten Schlußakkorde des Weltuntergangs entlädt sich hoch über den stummen Menschen ein kosmisches Feuerwerk aus farbigen Laserlicht-Strahlen, in dem riesige seltsame Zeichen erscheinen, die eine gleichzeitig beunruhigende wie faszinierende Atmosphäre schaffen. Die ganze Bühnenbreite ist erfüllt von farbigen Erscheinungen und geheimnisvollen, rasch wechselnden Lichtwirkungen. Das deutet hin auf die übergeordneten Mächte, denen der Mensch letztlich ausgeliefert ist und schließt damit auch visuell eindringlich den gedanklichen Spannungsbogen, den Richard Wagner mit seinem einzigartigen Werk meinte.

____________________________________________________

Götterdämmerung, Stuttgart 2002

mit Luna De Vol (Brünnhilde), Tichina Vaughn (Waltraute), Albert Bonnema (Siegfried),Hernan Iturraide (Gunther), Franz-Josef Kapellmann (Alberich), Roland Bracht (Hagen)

Dirigent: Lothar Zagrosek, Regie: Peter Konwitschny

Das Musikalische vorweg: Gesungen wird ordentlich. Das Orchester unter Lothar Zagrosek spielt die Partitur korrekt herunter, aber ohne Glanzpunkte. Nur wegen der Musik muss man diese DVD nicht haben.  Misslungen ist aber auch die wichtige optische Dimension.

Die bereits oft diskutierten Pennerinnen mit der Schnapsflasche und den Plastiktüten kann man, wie alles andere, auf dieser DVD genau unter die Lupe nehmen: Im Standbild, im schnellen Vor- und Rücklauf, mit und ohne Ton.

Sie tragen kunterbunte Flicken-Klamotten und Kopftücher, fuchteln, springen herum und wedeln mit den Händen. Wagners grüblerischer Text, dunkle Erinnerungen an die Vergangenheit und düstere Ausblicke auf die Zukunft, gehen in dem hektischen, unruhigen Gehampel natürlich ganz unter. Das goldene Schicksalsseil ist nur ein dünner, alter Woll-Bindfaden, der natürlich bei dem ganzen Gezerre irgendwann endlich reißt, worüber alle ganz erschrocken tun, “Es riß! Es riß!”

Siegfrieds Abschied von Brünnhilde ereignet sich vor einem riesigen gerahmten Gemälde, einem Ölschinken mit Gebirgssee und Alpenpanorama (oder auch peruanische Anden, is ja egal).

Künstliche Flammen ziehen sich rotzüngelnd den ganzen vorderen Bühnenrand entlang, ein sehr poetischer Einfall. Also, nur meckern – das gibt’s wirklich nicht.

Das schmucklose Holzgestühl der Alpenveranda ist anscheinend aus einem bekannten schwedischen Möbelkaufhaus. Die Klamotten sind aus irgendeinem Billigkaufhaus.

Also: Herr und Fräulein Proll zu Hause. Es geht wohl um die restlichen Fragmente der mittlerweile nicht mehr existenten Arbeiter-Proletarier, frei nach dem Lehrbuch von Brecht und Marx, die mittlerweile vom Phänomen des banalen “Proll ” in Ost und West abgelöst wurden.

Zitat aus der “Welt am Sonntag”: ”Nachdem 1989 die Mauer fiel und daraufhin die Treuhand die De-Industrialisierung Ostdeutschlands einleitete, blieb von der Arbeiterklasse nichts übrig: Ohne die Arbeitswelt war der Proletarier ein „Proll “. Seit Beginn der 90er lachten auch die einstigen Proletarier über Mantawitze und Tom Gerhardts Imitation des typischen Ruhrpottbewohhers. Der Proletarier war eine Figur im Museum, der Proll eine Witzfigur. Die einstige Arbeiterpartei PDS hat seit 1994 fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, die SPD fast ein Viertel. Der Arbeiter gab den Überbau auf und mutierte zum Plebejer.

Nach 1968 stand Hochkultur unter dem Generalverdacht, zumindest trocken, schlimmstenfalls reaktionär zu sein. In den 90ern schließlich wurde daraus eine breite, aber wenigstens zu Anfang noch ironisch gebrochene Begeisterung für Trash (Müll). Zuletzt dürfte es den von so vielen Kulturbegriffen verwirrten Bürgern schwer gefallen sein, zwischen Neugier, Kopfschütteln und Amüsement zu trennen.” Zitat Ende.

Zurück zur Götterdämmerung-DVD und Brünnhildes Spießer-Heim mit dem fetten Ölschinken. Die etwas füllige Hausherrin schält einen Apfel, das ist für sie interessanter als die Gesangsakrobatik von Siegfried, der als totaler Trottel herumspringt, gleichwohl aber perfekte altertümliche Stabreime singt.

Am Gibichungenhof gibt es die sattsam bekannten schwarzen Anzüge, die irgendetwas Gesellschaftskritisches von vorgestern bedeuten sollen, aber immer noch monoton dazu benutzt werden, den vermeintlich aktualisierenden Zeigefinger tief aus der ranzigen Schublade zu holen. Zu den schwarzen Anzügen sieht man offene Hemden, schlampig herumbaumelnde Krawatten. Auch das sind vermutlich “Prolls “(Proleten, vormals Arbeiter-Proletarier). Mit einem Wort: Man sieht, wieder einmal, die abgenutzte Gesellschaftskritik vom ollen Papa Brecht.

Dazu tragen die Herren mittelalterliche Schwerter. Wie das? In jenen Kreisen trug man eigentlich rote Flaggen mit Hammer und Sichel. Außerdem singen sie auch keine groben Brecht-Songs, sondern Wagners alliterierenden Stabreim, in pechschwarzen Allerwelts-Anzügen, die immerhin zweitausend Jahre später entstanden als die isländische Edda. Auch die Gibichungenburg ist natürlich kein mittelalterliches Gemäuer (was soll auch der alte Käse von Wagner?), sondern ein hoher brauner Sperrholzverschlag, in den man noch Maschendraht-Gitterkäfige einbauen könnte oder eine Marmeladenfabrik.

Neben den plakativen Sinnverdrehungen gibt es auch richtigen Unsinn: Alberich, die Verkörperung des unzerstörbaren Bösen, tritt auf im weißen Leichengewand eines Sterblichen.

Man kann leider nicht alle bizarren, unsinnigen Details dieser Aufzeichnung verwursten, dafür ist es einfach zu viel schräger Blödsinn. Immerhin gibt es ständig Abwechslung, Knalleffekte. Ein bonbonfarbenes Allerlei, ohne Rücksicht auf die düstere Grundstimmung des Originals, unter weitgehender Ignorierung von Text und Regieanweisungen, die oft nur als beliebiges Spielmaterial für Hanswurstiaden aller Art herhalten.

Bei der Mordszene im Wald sieht man wieder einen bunten Ölschinken an der Wand: Ein beschauliches Gewässer glitzert poetisch, aber nur als gerahmtes Bildzitat. Wagners Naturbilder, seine starke Symbolik werden ignoriert oder ins Gegenteil verdreht. Die Rheintöchter tragen wasserstoffblonde Perücken wie Barbie-Puppen (Anspielung auf die böse Weltmacht USA?), sie sind verkleinert auf das Klischee herzig-neckischer Verführerinnen.

Siegfrieds Ermordnung geht so: Der eigentlich ganz passive Gunther springt auf, umklammert Siegfrieds Hals und krallt sich an ihm fest, bis endlich Hagen (im schwarzen Anzug) ihm ein großes Schwert (keinen Speer, was wichtig wäre!) in den Rücken rammt. Die zuschauenden Herren im schwarzen Anzug sind schockiert, “Hagen, was tust du?”. Dabei drohen sie ihm mit leeren Bierflaschen, aus denen sie vorher gemeinschaftlich getrunken haben, ex und hopp – einfach wech mit die olle Plempe.

Was soll man sonst im Wald auch machen, außer Bier trinken? Alles ist ganz lustig, eben die moderne Freizeitgesellschaft, gesehen durch Brechts alte Nickelbrille von vorgestern. Ein Salto Mortale von rückwärts nach vorwärts, und dann zweimal rund um die eigene Achse. Das unangenehme Machwerk träufelt Gift in die Sinne.

Zum Schluß zeigt man überraschend Wagners wörtliche Regieanweisungen zur Schlußszene, als vorbeirollende Schriftzeichen. Und was bedeutet das ?! Das heißt – Hey Leute, ich kenn den Text.

Das ist der raffinierte Über-Kick, es heißt: Ich weiß zwar genau Bescheid, aber es schert mich einen feuchten Kehricht. Ätsch !!!

Während dieser schlauen Belehrung betrachtet man das vornehme Stuttgarter Opernpublikum, festlich gewandet in konventioneller Manier, und natürlich “schweigend genießend” (Brecht), was da auf den Teller kommt.

Bei diesem pflegeleichten, anpassungsfähigen Auditorium des oberflächlichen Zeitgeistes erleben die postmarxistischen Alt-Revoluzzer von vorgestern selbstverständlich keine Revolution, keinen Aufstand.

Das schräge Spektakel füllt geschwind die offenen Kassen und erzeugt planmäßig, planwirtschaftlich eine neue ökonomische Nachfrage, genau nach den klassischen Gesetzen des staatsmonopolistischen Kapitalismus (Stamokap). Denn der sensationshungrige Zeitgeist, der belanglose Mainstream, das nickende Mittelmaß ist natürlich überall die zahlenmäßige Mehrheit, auf der ganzen Welt.

Der ganze bunte Zirkus macht Spaß und bringt Geld. Also eine Art von Abschöpfung oder Ausbeutung, einfach mal umgekehrt. “Die Kapitalisten liefern die Stricke, an denen wir sie aufhängen.” (Wladimir Iljitsch Lenin).

_________________________________________________

Götterdämmerung, Valencia 2008

Produktion der Catalan Theatre Company „La Fura dels Baus“, 256 Minuten

Brünnhilde – Jennifer Wilson, Siegfried – Lance Ryan, Gunther – Ralf Lukas, Hagen – Matti Salminen, Alberich – Franz Josef Kapellmann, Waltraute – Catherine Wyn-Rogers, Gutrune – Elisabete Matos

Dirigent: Zubin Mehta, Regie: Carlus Padrissa

Die Spanier lieben Wagner. Ein Beweis dafür ist der großformatige Bildband von Maria Infiesta und Jordi Mota, „Das Werk Richard Wagners im Spiegel der Kunst“

Dirigent Zubin Mehta, der die Idee für diese Ring-Inszenierung in Valencia hatte, entfesselt furiose Wagnerfluten. Etwas zu klobig-kompakt und zu wenige klar herausgemeißelte Details.

Aber die spannende, düster-mystische Atmosphäre ist eindringlich zu spüren.

Und das Sänger-Ensemble funktioniert bestens. Herausragende Stimmen sind nicht dabei, aber auch keine Ausfälle. Die musikalischen Voraussetzungen stimmen also rundum. Und damit kommen wir zum optischen Teil. Was für Bilder:

Die Nornen unter einem Blitzgewitter von Atom-Molekülen. Siegfrieds Tod als grauer Trauerzug durch den voll besetzten Zuschauerraum.

Walhalls Untergang in lodernden Flammen, hinter denen sich ein großes vertikales Netz aus Tänzern in rötlichen Kostümen aufspannt.

Wie damals bei Wieland Wagner im Venusberg sieht man Tänzer. Akrobaten. Ein Bühnenbild existiert eigentlich nicht. Doch es wird vielfach ersetzt durch blitzschnell wechselnde Spielorte, monumentale Projektionen auf mehrere Großleinwände.

So entstehen und verschwinden lautlos romantische Naturstimmungen, weite Panoramalandschaften. Kosmische Visionen. Flugaufnahmen. Weltraumbilder. Fallender Schnee.

Natürlich spürt man dabei auch die Einflüsse der zappelnden Videoclips in der Werbebranche. Das ständige Bildgewitter könnte viel mehr Ruhepunkte vertragen. Aber alles verläuft synchron mit der Musik, und die Bildersprache ist respektvoll entwickelt aus dem Geist des Textes, der Handlung und der Musik.

Die vier Elemente: Das Wasser, die Welt der Rheintöchter. Das Ur-Element.

Die Luft, der Wohnsitz Walhalls und der Götter. Das Symbol des Geistes.

Das Feuer Loges. Das Zeichen des Lichts und der Zerstörung.

Und die Erde mit dem unterirdischen Nibelungenreich. Die Welt des Unterbewusstseins mit seinen verdrängten, verborgenen Gedanken, die auf ihre Befreiung warten.

Hier sind die Ideen Richard Wagners ganz nah. Denn Regisseur Carlus Padrissa schuf ein vielschichtiges Gesamtkunstwerk. Also die Verwirklichung von Wagners größtem Traum. In Valencia haben die phantasievollen Köpfe von „La Fura dels Baus“ im Jahr 2008 eine stilistische Möglichkeit weitergeführt und grandios vollendet.

So wie es Stefan Herheim bereits in den surrealistischen Bilderfluten des Bayreuther Parsifal demonstriert hat.

Auch in Valencia sieht man eine Überfülle atemberaubender Bilder, die nicht das Werk missachten und zerstören, sondern phantastische Assoziationen auftürmen, wie man sie in dieser überwältigenden Fülle noch nie gesehen hat.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 11.b - Wagner-DVDs veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.