Maria Callas als Kundry, Wagnerdirigent Stokowski

Maria Callas als Kundry

Die Ausnahmesängerin hat für viele Komponisten Großes geleistet, für Bellini, Donizetti, Puccini, Verdi und andere. Es sind diffizile Interpretationen mit vielen Farben und Nuancen, bis heute unerreicht.
Mit Wagner hat sie einst sogar ihre Karriere begonnen, als Brünnhilde und Isolde. Leider gibt es davon wohl keine Aufnahmen. Und in ihrer Glanzzeit scheint sie keinerlei Interesse mehr an Wagner gehabt zu haben.
Als Erinnerung bleiben nur zwei Mitschnitte, beide in italienischer Sprache: Isoldes Liebestod, Mai 1957 in Athen, von unvergleichlicher Melancholie und Noblesse erfüllt.

Außerdem gibt es eine ganz merkwürdige Gesamtaufnahme des Parsifal vom 21.11.1950 in Rom, unter der Leitung von Vittorio Gui. Callas als Kundry, und höchst eigenartig ist dabei ihre Stimmführung. Denn diese hochdramatische Rolle, deren Skala von wildesten hysterischen Ausbrüchen bis zur großen Skala verführerischer Erotik reicht, entlockt der bedeutendsten Sängerin des vergangenen Jahrhunderts keinerlei Leidenschaft.

Wer die Callas kennt und ihre hohepriesterlichen, aufwallenden Klanggesten bei der „Norma“ im Ohr hat, und wer ihre ausgefeilte, sensible „Somnambula“ gehört hat, mit zarter Kleinmädchenstimme gesungen, oder die furiosen, dramatischen Verdi-Attacken, der ist bei dieser trägen, völlig apathischen Kundry enttäuscht. Sie liest die Noten zwar korrekt vom Blatt ab, wirkt dabei aber völlig gleichgültig.

Die Lebensleistung der Callas war es, halb vergessene Partien wie Ponchiellis „Gioconda“ wieder kräftig zum Leben zu erwecken. Dass sie beim größten Operndramatiker, bei Richard Wagner, keine bemerkenswerten Spuren hinterließ, ist schade genug. Aber wenn man ihre besten Platten hört, kann man sich immerhin ausmalen – wie es hätte sein können, bei diesem Stimmumfang und dieser Gestaltungskunst, die auch die kleinen melodischen Nebenlinien noch mit einem großem, geheimnisvollem Ausdruck vertiefte.

Stokowskis Wagner

Der Dirigent Leopold Stokowski, ein orchestraler Klangzauberer, hat leider nur wenige Wagner-Aufnahmen hinterlassen, und selbst die waren nicht immer überzeugend.
Aber in seinen späten Lebensjahren entstand 1966 eine CD, zu der man immer wieder gern greift.

Es sind fast nur Orchesterstücke aus dem „Ring“ von Richard Wagner. Sie wirken frisch und funkelnd und sie haben genau das Feuer, die große Geste, die vielen anderen Interpretationen fehlt.
Kleine Einwände gibt es nur gegen das wuchtige Meistersingervorspiel, das hier mit etwas zu viel grobem Täteräta dröhnt. Aber den vertrauten Walkürenritt hört man mit vielen Nebenstimmen, die sonst in einem diffusen Klangbrei untergehen.

Große Panoramabilder mit Gewitterzauber und Regenbogen entfaltet der „Einzug der Götter in Walhall“. Bei „Siegfrieds Rheinfahrt“ sind die wechselnden Stimmungen genau nachgezeichnet, das langsam anbrechende Tageslicht mit den majestätischen Lichtblitzen der Morgendämmerung, genauso die anderen schwelgenden Naturmalereien bis hin zu den schäumenden Wellen des Rheins.

Damals war die Stereophonie ausgereift, die Zeit von knatternden, knisternden Schellackscheiben und dumpfem Mono war endgültig vorbei. Man staunt auch heute noch über den erlesenen, üppigen, dabei sehr durchsichtigen Breitwand-Klang.

 

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