Die Freimaurer und Richard Wagner

Hundert Meter von Haus Wahnfried entfernt liegt in Bayreuth das Gebäude der Freimaurer.
Das ist kein Zufall.

Am 17.04.1871 kam Richard Wagner zum erstenmal nach Bayreuth. Sein Förderer und Finanzberater wurde der einflussreiche Bankier Friedrich Feustel (1824-1891).
Er war Großmeister der Bayreuther Freimaurer, der Großloge „Zur Sonne“.
Im gleichnamigen Gasthof „Zur Sonne“ wurde an Wagners Geburtstag, am 22. Mai 1872, das Richtfest zur Grundsteinlegung des Festspielhauses gefeiert.
Friedrich Feustel war auch daran beteiligt, dass die Stadt Bayreuth das prachtvolle Grundstück des Festspielhauses an Wagner verschenkte, ebenso wie das großzügige Grundstück von Haus Wahnfried, das nur hundert Meter vom Haus der Freimaurerloge im Hofgarten entfernt ist.

http://museum.freimaurer.org/

Was interessierte die Freimaurer so sehr an Wagner?
Und warum ließen sie ihn trotzdem nicht Mitglied in ihrer Vereinigung werden?

Die Freimaurer waren jahrhundertelang Gegenstand zahlloser Verdächtigungen, Enthüllungen und Angriffe. Unter den Nationalsozialisten wurden sie 1933 verboten.
Rechtzeitig brachten sie ihr höchstes Symbol in Sicherheit, das „freimaurerische Licht“. Es wurde aus Deutschland entfernt, und man verlegte es 1931 in das heutige Israel, zur „Symbolischen Großloge in Jerusalem“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das symbolische Licht wieder nach Deutschland zurückgebracht. Im Februar 1949 wurde es überreicht an Theodor Vogel.
Er war Großmeister der wiederbegründeten Großloge „Zur Sonne“ in Bayreuth.
Die Einweihungsrituale der Freimaurer beziehen sich mehrfach direkt auf den jüdischen Glauben. Zum Beispiel bezeichnen sie ihre Erkenntnis-Grade Nr. 4-8 als „israelitische Grade“. Es ist auch die Erinnerung an die jahrtausendelange Verfolgung eines Volkes, die enthalten ist in den besonderen Eigenarten der Freimaurer, ihrer Geheimsprache, Symbolen und Ritualen.

Wegen Wagners antisemitischer Schriften durfte er in dieser Gemeinschaft nicht Mitglied werden.
Offen ausgesprochen hat man das vielleicht nicht. Auch die Scheidung von seiner ersten Frau Minna hat ihnen nicht gefallen.
Aber die „Eingeweihten“ haben frühzeitig erkannt, dass Elemente ihrer Gedankenwelt bereits tief in Wagners letzte Werke eingedrungen waren. Sie haben ihn außerordentlich geschätzt.

Zentrum des Denkens der Freimaurer ist der alttestamentarische Bau von König Salomos Tempel, dem Inbegriff der Weisheit und des Wissens.
Dass in Bayreuth der aufragende Grüne Hügel mit dem Festspielhaus einem Tempel durchaus ähnlich ist, gehört dazu, ebenso der besondere Ort, wo Wagners letztes Werk endet – nämlich im Gralstempel.
Im Parsifal ist es ganz offensichtlich. Die zwei großen Tempelfeierlichkeiten, das Liebesmahl im ersten Akt und die Trauerfeier im dritten Akt, haben Anklänge zu zeitgenössischen Tafel- und Trauerlogen-Ritualen. So wie im freimaurerischen Tempel die Arbeitstafel aufgedeckt wird, wird im Tempel des „Parsifal“ der heilige Gral enthüllt.
Die Freimaurer kennen insgesamt 33 Grade der Erkenntnis und inneren Entwicklung.
Die vorletzte Stufe der Hochgrade gilt der großen Rückschau auf das ganze bisherige Leben, der Rekapitulation und Synthese.
Ein Teil dieses Rituals behandelt die Religionen und philosophischen Systeme aller Zeiten. Keines davon ist allein gültig.
Und die letzte Stufe? Sie ist das Thema von Wagners Parsifal, seinem letzten Werk.

Wie eingangs erwähnt, haben in Bayreuth haben die Freimaurer von Anfang an starkes Interesse an Richard Wagner gehabt.
Zum Kreis der „Eingeweihten“ gehörten immer reiche und mächtige Persönlichkeiten, die weltweit viel Geld und Einfluss aktivieren konnten.
Das ist gewiss nicht die einzige goldene Quelle, aber wohl auch ein wichtiger Geldhahn für die großzügige finanzielle Unterstützung der Festspiele.

Und dafür gibt es noch ein paar andere, noch geheimere Gründe.

„Die Pyramide der Weisheit“

https://btpersp.wordpress.com/2011/06/15/die-pyramide-der-weisheit/

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