Kurz vor Ostern

19.4.2011. Dienstag. 11.00 Uhr. In Bayreuth ist es kühl, der Himmel wolkenlos, und das strahlende Licht verzaubert selbst die schrägen Bausünden in der Altstadt. Am Hauptbahnhof ist die hässliche Sichtachse auf den riesigen Rathaus-Klotz unsichtbar, weil gleißendes Sonnenlicht im Gegenlicht blendet.

Der Wahnfried-Garten ist noch unbeschädigt. Aber die Museumsverwaltung sitzt immer noch im Siegfried-Bau. Neonröhren in den Büros sind eingeschaltet. Das helle Sonnenlicht reicht in diesen Räumen anscheinend nicht aus. Aber im benachbarten Chamberlain-Haus ist Platz genug für die vier Büromenschen, das Archiv, und bessere Bürolampen kann man dort auch einbauen. Man hört keinen Laut. 11.30 Uhr. Wahrscheinlich ist gerade Mittagspause. Oder sie sind schon wieder eingeschlafen, obwohl Frühling ist. Frisches Laub schmückt die Eingangsallee. Überall blüht und grünt es. Die Stadtgärtnerei hat frische Blumen gepflanzt. Sogar an der hässlichen Bushaltestelle sieht man ein Farbenmeer. Die vorösterliche Natur in voller Pracht. „Das ist Karfreitagszauber“, und in drei Tagen ist es tatsächlich soweit.

Doch dann wieder der Kulturschock. Direkt neben der Büste des Märchenkönigs Ludwig II. stehen vier Privatautos der Museums-Mitarbeiter. Noch bequemer geht es nicht. Die Störung des historischen Gebäude-Ensembles ist egal.

Die bisherigen Ausstellungsräume waren jahrelang ein Sammelsurium von zusammengewürfelten Gegenständen. Viel attraktiver wäre ein chronologischer Rundgang. Dabei könnten die Räume im Siegfried-Bau sogar dazu dienen, die Erinnerung an die schrecklichen Führer-Besuche zu beleben. Die Besuche des Massenmörders gehören zur Geschichte der Wagnerstadt und auch in das Wahnfried-Museum. Eine Verklärung für Unbelehrbare kann dabei verhindert werden, wenn man ein paar Horrorbilder aus dem KZ Flossenbürg zeigt.

Auf Wagners Grab lag immer noch der Lorbeerkranz der Stadt Bayreuth, den ich schon im Februar dort gesehen habe. Aber vermutlich ist er ausgetauscht worden, weil die Blätter ganz frisch waren. In Bayreuth braucht man auch keine Angst zu haben, dass er geklaut wird. Denn die Einwohner halten fest zusammen. Jeder beobachtet jeden. Keiner darf aus der Reihe tanzen. Und bitte nur Komplimente ! Mit Kritikern redet dort keiner.

Deshalb ist es zu Fehlentwicklungen gekommen. Sogar hinter dem Festspielhaus will man Neubauten. Es reicht jedoch, wenn die Kinderopern umziehen. In der Stadthalle oder im Brandenburger Kulturstadl ist Platz genug für so etwas. Auch die Zweckentfremdung der Probengebäude für platzfressende Lagerzwecke kann man beenden, wenn dafür Hallen im Bindlacher Indistriegebiet angemietet werden.

Im benachbarten Freimaurergebäude habe ich mit jemand gesprochen, der völlig überrascht war, dass ich Informationen über die Loge und Richard Wagner habe, die im Jubiläumsjahr 2013 gut verwendet werden können.

Den Artikel dazu kann man hier lesen:

https://btpersp.wordpress.com/2011/04/23/die-freimaurer-und-richard-wagner/

Am Markt saßen die Bayreuther an den Terrassen der Wirtshäuser. Obwohl es ein normaler Werktag war, hatten die meisten anscheinend frei.

Vor dem „Stadl“ des Cafè Florian hing eine Tafel, mit dem einladenden Hinweis, „Kommen Sie als Gäste, und gehen Sie als Freunde!“ Anscheinend hat sich jemand einen Scherz erlaubt, denn in München wirbt ein bekanntes Freuden-Institut mit dem Spruch, „Du kommst als Fremder, und du gehst als Freund“. Der Bayreuther Stadl heißt offiziell „Winkellosalm“. Noch besser wäre „Zügellosalm“, dazu ein  Schild „Trinkt Wein aus Franken und zeugt Kinder, die es euch danken.“ Aber alles gehört zum Café Florian, das einen gemütlichen Innenhof hat. Der Wein an der frischen Luft war lecker. Die Bratwürste schmeckten auch. Die Bedienung war sehr nett. So sind die Franken, die mit Neubauten am Grünen Hügel nichts zu tun haben.

Ein paar Meter weiter hing ein großes Plakat: „Sanierung eines Stadthauses mit erhöhter Abschreibung.“ Das geht also auch. Man muss nicht alles abreißen, sondern kann alte Gebäude auch sanieren. Daran kann auch jeder Geld verdienen statt sich gierig die Taschen voll zu stopfen.

Eine Sanierung von Wahnfried und den Probengebäuden am Hügel spart Kosten, schont das Stadtbild und ist einfach viel besser (fränkisch: „billicher“).

Die hässlichen Parkplätze am Festspielhaus sollten hinter einer höheren Hecke verschwinden. Es sieht so langweilig aus wie am Münchner Stachus, wo auch viele Autos herumfahren.

Die vorhandenen Probengebäude reichen vollkommen aus, man muss sie nur sanieren und technisch auf den neuesten Stand bringen.

Das Festspielrestaurant sieht aus wie eine DDR-Arbeiterkantine. Hier gehört eine andere Lösung hin: Ein Wirtshaus, dessen Architektur sich am Musiktempel selbst orientiert, also ein rotes Backsteingebäude mit Balkons und lauschigen Nischen.

Die Photos zu diesem Bericht  findet man  hier:

https://btpersp.wordpress.com/2011/04/21/traumwetter-in-bayreuth-am-19-4-2011/

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