Ein unbekanntes Ring-Konzept

11.4. 2011. Seit dem ersten Besuch einer Bayreuth-Aufführung – Tristan 1986 – habe ich mich mit der Situation am Grünen Hügel beschäftigt. Auch an anderen Opernhäusern habe ich viele Wagner-Inszenierungen gesehen,

Deshalb ist es kein Problem, nach  vielen, vielen Jahren und leidvollen, niederschmetternden Erfahrungen mit dem chaotischen Regietheater

ein detailliertes, leicht umsetzbares  Regiebuch mit vielen praktikablen Ideen und optischen Effekten zu entwerfen,

das dann ein erfahrener Co-Regisseur vor Ort umsetzt, also in Bayreuth. Aber nicht einer von den längst bekannten, das Publikum nervenden Experimentier-Profis,

sondern ein qualitätsbewusster Praktiker,

der sich mit konkreter  Theater-Arbeit gut auskennt und bereit ist, die Vorlagen auf der Bühne zu realisieren, zum Beispiel mit Unterstützung des erfahrenen, für seine glanzvolle Parsifal-Leistung preisgekrönten Chef-Technikers Karl-Heinz Matitschka.

Das Ergebnis wäre ein abwechslungsreicher, würdiger Jubiläumsring 2013, der junge und alte Besucher gleichermaßen begeistert.

Die Sache wäre sogar vergleichsweise kostengünstig, weil keine Materialschlacht geplant ist, sondern etwas ganz Anderes, mit Unterstützung von zeitgemäßer Technik:

Ein Fest für die Augen und für mächtige Wirkungen aus der Bildersprache Richard  Wagners:  Allegorien, Metaphern, Symbole – aus  philosophischen, historischen, psychoanalytischen  Perspektiven und  aus allen Bereichen des menschlichen Denkens und der Phantasie.

Ein Fest der Ideen und der Phantasie, respektvoll entwickelt aus den Gedanken und Texten des Bayreuther Meisters.

Hierfür nur ein Beispiel: Am Anfang und Ende der Ring-Tetralogie schließt sich ein großer Kreis. Das kann man verdeutlichen durch ein Bild, das nur zweimal gezeigt wird, am Anfang und am Ende .

Also: Gleich nach dem Öffnen des Haupt-Vorhangs sieht man einen zweiten Vorhang, einen fast durchsichtigen Gazeschleier, auf den Bilder des Hubble-Teleskops aus dem Kosmos  projiziert werden: Große Farbfotos aus dem Weltraum.

Das macht allein optisch einen gewaltigen Eindruck, egal, wie alt der Zuschauer ist.

Philosophisch bedeutet es einen Blick in das Weltall, wo alle Planeten entstehen und vergehen. So wie auch die Welt des Nibelungenrings.

Die Satellitenbilder kann man zeigen während des Rheingold-Vorspiels und zu den Schlusstakten der Götterdämmerung.

Sobald die Projektion am Ende des Rheingold-Vorspiels erlischt, wird hinter dem durchsichtigen Gazeschleier einfach das Bühnenlicht eingeschaltet, und man sieht die beginnende Handlung.

Mein Regiekonzept enthält sehr viele überwältigende, unterschwellig wirksame  Bildwirkungen, mit philosophischem Hintergrund.

Zum Beispiel folgt  jetzt eine komplette Szene, als Entwurf, nämlich das Finale der Götterdämmerung:
Nach Siegfrieds Tod ist zunächst die verängstigte Gutrune allein auf der Bühne. Dazu ein flackerndes, dunkelrotes Licht. Im Schatten sieht man Teufelsfratzen und Dämonen, als Zeichen des kommenden Unheils.

Beim Auftritt der Jagdgesellschaft kommen nicht nur einzelne Personen, sondern immer mehr Menschen, die völlig gleich gekleidet sind, aber nicht mit Smoking, Sekt und Abendkleidern dekoriert sind, sondern sie tragen graue Straßenanzügen mit Aktentaschen und moderne Bürokostüme.
Also der heutige Massenmensch, langweilig, austauschbar, aber zahlreich vorhanden.
Die Menge überflutet ganz langsam die Bühne, bis es so eng wird wie in einer überfüllten U-Bahn. Beim Streit zwischen Hagen und Gunther hilft niemand, sondern alle schauen nur neugierig zu. Als Hagen gewinnt, klatschen sie Beifall.Die gleichgültige Bosheit des Internet-Zeitalters.

Doch als Hagen gierig nach dem Ring greifen will, hebt sich drohend die Hand des toten Siegfried, so wie es im Libretto steht. Alle weichen entsetzt zurück.
Dann tritt Brünnhilde auf. Das Volk bildet zunächst einen großen Kreis um sie, zieht sich dann aber langsam immer mehr in den Hintergrund zurück und verschwindet ganz.
Während Brünnhildes apokalyptischem Schlussgesang verändert sich das Licht ganz langsam von einem dunklen Blau zu den gesamten Spektralfarben (Regenbogen-Effekt wie am Ende des Rheingolds.
Zum Stichwort „Grane, mein Ross, sei mir willkommen“, also kurz vor dem Ende des Gesangs, greift sie nach einer großen Fackel. Natürlich kein gefährliches echtes Feuer, sondern eine täuschend echte Imitation, mit einem Leuchtstoff, der wie eine zwei Meter hohe Flamme aussieht. Sie hält die Fackel hoch und verschwindet langsam im Halbdunkel.
Beim großen Orchesterkrach, der dann folgt, werden auf den Hintergrund Filme von Naturkatastrophen projiziert, mit den vier archaischen Ur-Elementen Wasser, Erde, Feuer, Luft, also Orkane auf dem Ozean, Erdbeben, Waldbrände und Schiffsuntergänge.
Und dann wendet sich alles.
Wenn die hymnische, hoffnungsvolle Melodie von der Allmacht der Liebe erklingt, wird es kurz ganz dunkel.
Und dann kommen aus dem Hintergrund weißgekleidete Gestalten, als Symbol der Reinheit und des Neubeginns. Sie gehen nebeneinander über die Bühne, und dann folgen immer mehr („Alle Menschen werden Brüder“). Die erste Reihe tritt seitlich ab, und neue Menschen rücken nach: Die neue, hoffnungsvolle Welt, nach dem Untergang der alten.
Wenn das Orchester verstummt und das Publikum seine Meinung klatscht, trampelt oder pfeift, bleibt der Vorhang geöffnet, und vom Bühnenhimmel senkt sich langsam eine große Tafel, mit einem Rahmen aus glitzernden Sternen und der Inschrift „Richard Wagner 1813 – 1883“.
Dazu kommen dann Abgesandte der Mitarbeiter, der Techniker, Dirigent, der Oberbürgermeister, und alle applaudieren, zum Andenken an Meister Richard.
Wenn alle nach draußen strömen, wartet vor dem Königsportal der Festspielchor und singt bekannte Wagnermelodien. Im Park gibt es ein Jubiläums-Feuerwerk, und der Weg zur „Bürgerreuth“ ist ausnahmsweise hell erleuchtet.
Dort ist ein großes Freigelände, wo ein attraktives Volksfest aufgebaut wird. Zu vorgerückter Stunde gibt es dort Bratwürste und Bier, spendiert von der örtlichen Brauerei. Und wer es dann nicht mehr nach Hause schafft, bleibt einfach im Gras liegen.

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Ich warne nur davor, die gerade vorgestellte Idee oder Details – ohne Genehmigung – jetzt abzukupfern und  beim Jubiläumsring 2013 zu verwenden. Das wäre eine Verletzung des Urheberrechts, Diebstahl geistigen Eigentums, eine strafbare Raubkopie.

Außerdem ist es nur ein winziger Ausschnitt aus dem kompletten, umfangreichen Konzept, das voll solcher und ganz anderer Ideen ist.

Für die Realisierung meines einfach und kostengünstig  realisierbaren Regiebuchs würden die kommenden anderthalb Jahre leicht reichen.

Für unbegabte Experimente ist es jetzt schon zu spät.

Nach den letzten Regie-Abenteuern mit Meistersingern und Ratten-Lohengrin kann sich der Grüne Hügel keinen weiteren Reinfall mehr leisten. Die Belastbarkeit des zahlenden Publikums ist längst überschritten.

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