Die verschwenderische Bauplanung

21.2.11. Montag. Die „Welt am Sonntag“ säuselte gestern:

„Ein Denkmal bröckelt. Bund, Land und Stadt Bayreuth schmücken sich mit Richard Wagner. Doch die notwendige Sanierung des Festspielhauses sollen private Mäzene übernehmen.“

http://www.welt.de/print/wams/vermischtes/article12597739/Ein-Denkmal-broeckelt.html

Der klagende Jammerbericht ist ein Musterbeispiel für angepassten Journalismus. Nachgehakt wird nicht, sondern vor allem, mit andächtiger Miene, Pressesprecher Peter Emmerich zitiert.

Ansonsten schallen mitleiderregende Töne, zum Beispiel so: „Purzelnder Putz, bröckelnder Bau! Wer widmet sich den Wunden? So würde Richard Wagner wohl selber alliterieren, wenn er sein Theater heute sehen könnte. Der Sandstein an Tür- und Fensterbögen hat Risse, in Brocken bricht die Klinkerfassade heraus. Das Dach wird gerade repariert, weil die Schneemassen dieses Winters es an manchen Stellen schwer beschädigt haben. … „Die Fenster müssen erneuert werden, weil sie nicht dicht sind, die Heizungsanlage ist veraltet, die Fußböden müssen renoviert werden“

Das klingt gefährlich. Aber alte Gebäude, Altbauten müssen laufend saniert und technisch überholt werden. Das ist doch eine Allerweltsweisheit.

Hat man solche Reparaturen  in den letzten Jahren unterlassen, weil die überflüssigen Kinderopern immer wichtiger und zeitfressender wurden?

Zitat: „Zweitens stehen für 2013 die Jubelfeiern zu Richard Wagners 200. Geburtstag ins Haus. Spätestens dann soll auch eine neue Probebühne, besser gesagt: ein neuer Mehrzweckbau stehen. Peter Emmerich erklärt: „Wir brauchen neue Sozialräume, wir brauchen einen Spielort für ‚Wagner für Kinder‘.“

Wir brauchen, wir brauchen, wir brauchen!

Nein, sie brauchen nicht. Die albernen Kinderopern müssen abgeschafft oder in die Altstadt verlegt werden.

Pressesprecher Emmerich klagt und klagt: „Manche Aufbauten müssen im Freien gelagert werden, das Orchester probt im Festspielrestaurant, und Sänger und Chor müssen in stillgelegten Fabrikhallen im Bayreuther Industriegebiet ihre Rollen einstudieren.“

Das stimmt so nicht – denn das Orchester probte immer schon im Festspielrestaurant, weil es bis zur Premiere leer steht.

Dieses abgewetzte, mausgraue Gebäude mit den hässlichen Bewirtungshallen ist der einzige Bau, der wirklich abgerissen werden muss. Aber nicht für einen gedankenlosen, protzigen  Neubau, sondern für eine durchdachte Architektur, deren Außenfassade sich stilistisch dem Festspielhaus annähert, mehr inspirierende Atmosphäre bietet und das muffige Flair einer DDR-Arbeiterkantine verschwinden lässt.

Ansonsten reichen die längst vorhandenen Probengebäude völlig aus, wenn man die „Aufbauten“ aus der frischen Luft verlagert in angemietete Hallen im weitläufigen Bindlacher Industriegebiet. Als platzfressende Lagerflächen sind die Probenräume gar nicht vorgesehen, werden aber trotzdem zweckentfremdet.

Zitat von Märchenonkel Emmerich: „Außerdem sind die vorhandenen Probebühnen am Hügel technisch völlig veraltet. Jährlich eine für Kinder bearbeitete Wagner-Oper und die Frühwerke, die 2013 außerhalb der Festspiele aufgeführt werden sollen – das alles braucht mehr Logistik, mehr Platz, erweiterte Kapazitäten.“

Märchengeschichten. Die Technik der Probebühnen muss erneuert werden. Ja und ? Das ist doch nichts Besonderes, hätte jedes Jahr von September bis April geschehen können.

Richard Wagners wenig geliebte, langweilige  Frühwerke kann man auch in der Stadthalle spielen, und für die Proben kann man ebenfalls Lagerhallen anmieten.

Dafür teure Neubauten  –  nur für das Jubiläumsjahr 2013 ? Und anschließend stehen die Räume leer!

Bayreuth braucht für solche Alltagsarbeiten überhaupt keine  Neubauten, sondern soll die vorhandene Substanz pflegen, renovieren und die Technik aktualisieren.

Die sündteuren Bauprojekte nützen der Allgemeinheit nichts.

Wer verdient an solchen Plänen ? Solche naheliegenden Fragen stellt der Bericht nicht.

Stattdessen werden bunte Seifenblasen gepustet. Zitat: „Die Probebühne könnte bereits im Bau sein, wenn der Stadtrat Ende 2010 nicht plötzlich das Offensichtliche als Problem erkannt hätte: Seit 1876, dem Jahr der Einweihung, wurde und wird auf dem Grünen Hügel ständig um- und angebaut. Jetzt soll eine „städtebaulich verträgliche größere Lösung“ her und ein Architekturwettbewerb stattfinden, so Joachim Oppold, Pressesprecher der Stadt.“

Alpträume bei dem Thema hat auch der Architekturkritiker Gottfried Knapp:

https://btpersp.wordpress.com/2011/02/22/die-alptraume-von-gottfried-knapp/

Ein hohes Einsparpotenzial  ist auch bei den Wahnfried-Neubauten  zweifelsfrei vorhanden, wie bereits an anderer Stelle ausführlich erklärt.
Der Bayerische und der Berliner Rechnungshof legen sicherlich  ähnliche Maßstäbe an.

Neubauten im Wahnfried-Garten mit einer Projektumme von zwölf Millionen Euro braucht niemand.  Notwendig ist nur ein kleinen Bruchteil des Geldes, für eine einfache Ersatzlösung, die schnell realisierbar ist:

Alle Probleme verschwinden spurlos bei einem  Umzug der bequemen Museumsleitung und des Archivs in die nahe Altstadt. Nach der kompletten Räumung der historisch wertvollen Flächen im Siegfried-Bau kann dieses Gebäude mit den vorhandenen zwei Geschossen  gründlich renoviert werden.  Dann kann der Siegfried-Bau für Ausstellungszwecke genutzt werden. Verschont von nutzlosen Neubauten wird dabei der Wahnfried-Garten, dessen Bebauung  ja auch einige Bayreuther Persönlichkeiten nicht wünschen.
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Doch die  „Welt am Sonntag“ zerbricht sich darüber gar nicht den Kopf. Man schwebt in den Wolken, und ein Goldregen rieselt heraus.

Zitat: „Für die Probebühne hat die Gesellschaft der Freunde von Bayreuth (GdF), eine seit 1949 bestehende Mäzenatenvereinigung, sechs Millionen Euro zugesagt. Doch das würde nicht für die „große Lösung“ reichen. Schon die finanzielle Ausstattung des Architektenwettbewerbs ist strittig: Die eine Hälfte kann aus Fördertöpfen kommen, beim Rest schielen alle nach der GdF. Deren Engagement hat aber auch seine Grenzen.“

Ja, geht’s denn noch ?! Habt ihr zu viel Geld?

In dem Bericht fliegen Millionengelder wie Tennisbälle hin und her. Niemand meldet Zweifel an.

Wann wachen die Rechnungshöfe endlich  auf ?

Klar ist, dass bei solchen Großprojekten hohe Summen fließen. Viele halten beide Hände auf und wollen mitverdienen. Da regnet es  prozentuale Beratungshonorare, auch umfangreiche Baugenehmigungen lassen teure Architekten glücklich lächeln. Die Stadtkasse freut sich über üppige Gebühren.

Nur die Stadträte und die Verwaltungsbeamten haben überhaupt nichts davon. Denn sie sind nur ihrem Gewissen verpflichtet und haben deshalb leere Taschen.

Und was ist mit dem überflüssigen  Wahnfried-Projekt ?

https://btpersp.wordpress.com/2011/07/21/der-wahnfried-neubau-immer-teurer-immer-verschwenderischer/

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