Das neue Kartensystem – Wo sind die Sonderkontingente?

Bayreuths neues Kartensystem: http://www.festspiele.de/startseite/news/0_3593/details_1.htm

Zitat: „Zugang zum System hat jeder, der einen Internetanschluss hat. Auf den Festspielseiten soll dann sowohl ein Sitzplan als auch ein Bestellschein zu finden sein. Emmerich: „Was jedes Stadttheater bietet, sollten auch die Festspiele haben: ein leicht zugängliches, einfach zu bedienendes Buchungssystem“, das den hohen Anforderungen des Datenschutzes Rechnung trägt.

Diejenigen Wagner-Enthusiasten, die seit vielen Jahren treu bestellt hatten und doch immer leer ausgegangen waren, erhalten wie bisher eine gewisse Bevorzugung. Schließlich sollen nicht immer die gleichen Besteller zum Zuge kommen.

Es bleibt also dabei: Nur wer Jahr für Jahr bestellt, hat irgendwann mal Erfolg. Für die Festspiele soll das neue Ticketingsystem nicht nur Einsparungen – pro Spielzeit fallen allein bis zu 30 000 Euro Portokosten an – und mehr Transparenz bezüglich der Bestellungen bringen, sondern auch eine neue Serviceinitiative auslösen.“

Schöne Worte. Und bestimmt auch ein Riesenschritt vorwärts.

Die bisherige Bestellnummer, die  verriet, wie lange jemand schon vergeblich auf Karten wartete, wird wohl auch in Zukunft eine Schlüsselrolle bei den Zusagen spielen.

Aber anscheinend hat sich bei den Sonderkontingenten gar nichts geändert. Das heißt: Vierzig Prozent der Karten gehen weiterhin nicht in den freien Verkauf. Undurchsichtige Gruppen bekommen vorzugsweise Karten, ohne dass jemand die Gründe nachprüfen kann. Den größten Anteil des Kuchens stecken weiterhin die Sponsoren von der „Gesellschaft der Freunde“ ein.

Das ist recht waghalsig. Denn selbstlose Spenden sind nur dann von der Steuer abzugsfähig, wenn sie nicht mit einer Gegenleistung belohnt werden, einem geldwerten Vorteil.

Sonst verwandeln sich leider die Spenden in freiwillige Geschenke, die versteuert werden müssen, beim Empfänger und auch beim großzügigen Geschenkeverteiler.

Außerdem wackelt bei solchen Praktiken die gesamte vorteilhafte Rechtskonstruktion der gemeinnützigen Stiftung, die der Allgemeinheit dienen muss – nicht aber exklusiven gesellschaftlichen Zirkeln Vorteile verschaffen darf oder Millionären, die längst im Geld schwimmen.

Der Anstand und die vollmundigen Lippenbekenntnisse zur Transparenz gebieten, dass beim neuen Bestellverfahren alle Sitzplätze farbig markiert werden, die nicht in den freien Verkauf gehen. Unterschiedliche Farben können die einzelnen Gruppen der Privilegierten erkennbar machen. Zu den einzelnen Farben gehört eine stichwortartige Erläuterung, welche Gruppen das sind, zum Beispiel Freunde-Gesellschaft, Millionäre, Prominente,  exklusive Reiseveranstalter, Berliner Spitzenfunktionäre und Freunde von Katharina Wagner – und so weiter.

Die vermeintliche Stiftung für das Wohl der Allgemeinheit, also sämtlicher Musikfreunde, verwandelt sich im Fall exklusiver, missbräuchlicher Regelungen in einen gewöhnlichen Gewerbebetrieb, eine Firma  zur Gewinnmaximierung, und muss alle Einnahmen und Ausgaben der Gewerbesteuer und der Vergnügungssteuer unterwerfen – so wie Tanzveranstaltungen, Kinovorführungen und Modenschauen.

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