Schwarzbuch – Bund der Steuerzahler fordert Amtsankläger

Eine schöne Bescherung ist das letzte Schwarzbuch des Bunds der Steuerzahler, das Ende Oktober 2010 wieder krasse Fälle von öffentlicher Geldverschwendung  angeprangert hat, „bei denen durch Fehlplanungen, Kostenexplosionen oder „Auswüchse der Staatsbürokratie“ Millionen Steuergelder unnötig ausgegeben wurden.“

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2010-10/steuerzahler-verschwendung-steuergelder

Zitat: „Um die Steuerverschwendung in deutschen Amtsstuben einzudämmen, plädiert der Bund der Steuerzahler für die Schaffung eines sogenannten Amtsanklägers.

Eine solche Behörde solle wie eine Staatsanwaltschaft offensichtlichen Missbräuchen nachgehen, forderte der Präsident der Organisation, Karl Heinz Däke, bei der Vorlage des diesjährigen Schwarzbuchs über öffentliche Verschwendung. … In einem Fall hat er sogar Strafanzeige wegen des Verdachts der Untreue gegen Verantwortliche der Landesschulbehörde in Lüneburg eingereicht.“

Wie konnte es so weit kommen? Einerseits spielt gehorsames Obrigkeitsdenken eine wichtige Rolle, das angepasste Duckmäusertum in Firmen und Behörden, die von autokratischen Selbstdarstellern geleitet werden. Dazu kommt das Desinteresse des Publikums, das hinnimmt, was von oben serviert wird.

Auch in Opernvorstellungen kann man beobachten, dass zum Schluss jeder Vorstellung begeistert gejubelt und applaudiert wird. Nicht nur als Dank an die schuftenden Künstler, sondern weil die unkritische Mehrheit sich gar nicht näher mit der Materie beschäftigt, aber vor allem die luxuriöse aufgetakelte, eigene Anwesenheit bei einem gesellschaftlichen Ereignis feiert. Das würde weiter gar nicht auffallen, wenn der qualitative Unterschied zwischen dem hohen theoretischen Anspruch und der mangelhaften tatsächlichen Darbietung nicht so groß wäre.

Da die insgesamt üppig subventionierte Hochkultur frei schalten und walten kann, haben sich im Lauf der Zeit dort verbandelte Seilschaften eingeschlichen, die sich lukrativ gegenseitig die goldenen Bälle zuwerfen. Die Berufsbezeichnung des Regisseurs ist nicht geschützt. Jeder kann sich so nennen und bei guten Beziehungen mühelos eine steile Karriere machen, auch wenn eine große Begabung gar nicht vorhanden ist.

Besonders grotesk sind die Zustände in mittleren Städten, die meinen, ein eigenes Stadttheater zu brauchen. Das Ergebnis spielt dann in der überregionalen Presse schon keine Rolle mehr, auch wenn weltfremde Feuilletonisten lange Lobeshymnen schreiben.

Begründete Kritik wird verlacht oder ignoriert. Aber wenn der Scherbenhaufen immer deutlicher sichtbar wird, nützen auch Spendensammlungen nichts mehr.

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