Der Elefant

Am Ende des Premieren-Rings 2013 versammelt sich rund um das Festspielhaus eine große Menschenmenge, in tiefer Ergriffenheit. Auf beiden Seiten der Auffahrtsallee stehen festliche Abordnungen sämtlicher Bayreuther Vereine feierlich Spalier, auch die Kleingärtner und die Basketballer. Sie halten lodernde Fackeln hoch.

Oben, von der Bürgerreuth her, hört man plötzlich ein lautes Poltern und Trampeln. Ein echter Elefant wird vor den Königsbau geführt. Dann öffnen sich die Türen des Haupteingangs. Eine schweigende Frau tritt ins Freie. Sie trägt eine Perücke mit langen blonden Germanenzöpfen, eine geheimnisvolle goldene Maske und ein langes schwarzes Abendkleid. Mit einem großen Satz springt sie auf den Elefanten und singt, „Ich hab so Heimweh nach dem Kurfürstendamm.“

Riesenbeifall rauscht von allen Seiten. Das Streichquartett eines bekannten süddeutschen Reiseorchesters spielt „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. Der Elefant bewegt sich auf die nächste Villa zu. Dort stehen die Hausangestellten, ein Koch, ein Butler und vier Putzfrauen. Sie jubeln, „Danke, Danke!“ Die geheimnisvolle blonde Frau auf dem Elefanten ruft, „Seid ihr gar nicht traurig, dass ich jetzt auswandere?“ Das Personal ruft einfach nur, „Danke, Danke !“ Der Elefant trampelt die Auffahrtallee herunter. Die Bayreuther Bürger schwenken jubelnd ihre Fackeln.

Am Ende der Allee springt die unbekannte Dame auf den sicheren Boden. Sie reißt die blonde Perücke herunter und man sieht, dass sie unter dem Abendkleid schicke Jeans der Firma Dolce & Gabbana trägt und eine schwarze Lederjacke der Firma Armani. Erwartet wird sie von einer Gruppe junger Herren auf schweren Motorrädern, die unter dem Namen Rammstein bekannt ist, und sie bekommt ebenfalls ein perlmuttfarbenenes Motorrad überreicht. Mit lautem Motorengedröhn verschwinden alle zur Autobahn nach Berlin.

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