Einen Saal sehe ich, heller als die Sonne

18.1.2011. Zu den stärksten Inspirationsquellen Richard Wagners gehörten die isländische Edda und die Bibel. Jedes Finale  seiner zehn musikalischen Meisterwerke schließt mit einem religiösen Motiv.  

Die gewaltige  Ring-Tetralogie endet mit dem Untergang der alten Herrscher und mit einer seligen, hymnischen Melodie – der Hoffnung auf  eine neue, reine  Welt. 

Hier ein paar wörtliche Zitate (gekürzt) :

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Edda, Erster Gesang

Wöluspa – Der Seherin Ausspruch 

Ragnarök – die Götterdämmerung 

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„Schwarz wird die Sonne, die Erde sinkt ins Meer.

Vom Himmel schwinden die heiteren Sterne.

Da seh ich auftauchen zum anderen Male

Aus dem Wasser die Erde und wieder grünen.

Einen Saal seh ich, heller als die Sonne.

Da werden bewährte Leute wohnen

Und ohne Ende der Ehren genießen.“

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Die Bibel, Offenbarung des Johannes 

Die Apokalypse. Die Öffnung der sieben Siegel. Das Neue Jerusalem.

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„Am  Tag des Herrn hörte ich hinter mir eine laute Stimme. Sie schallte wie eine Posaune. Und als ich mich umdrehte, standen dort sieben goldene Leuchter. Und da war Einer, der trug ein langes Gewand und einen goldenen Gürtel.

Als ich ihn sah, fiel ich zu seinen Füßen, als wäre ich tot. Er legte seine rechte Hand auf mich und sprach: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte. Er sah aus wie der Stein Jaspis und Sarder, und ein Regenbogen leuchtete über dem Thron, der glühte wie ein Smaragd.

Um den Thron herum standen vierundzwanzig Throne, für die vierundzwanzig Ältesten. Sie trugen weiße Gewänder und  auf ihren Häuptern goldene Kronen. Vom Thron aus flammten Blitze, Stimmen und Donner. Sieben Fackeln loderten, das sind die sieben Geister Gottes.

Und zwischen dem Thron und  den Ältesten stand ein Lamm. 

Ich sah, wie das Lamm das erste der sieben Siegel öffnete. Dann erschien ein weißes Pferd. Der Reiter hatte einen Bogen, und er bekam eine Krone.

Und ein zweites Pferd kam heraus, das war feuerrot.

Nach der Öffnung des dritten Siegels sagte eine Stimme: Komm! Dann erschien ein schwarzes Pferd. Der Reiter hatte eine Waage in seiner Hand. Und eine Stimme sagte: Ein Maß Weizen für einen Silbergroschen und drei Maß Gerste für einen Silbergroschen. Aber dem Öl und dem Wein tu keinen Schaden!

Als  das vierte Siegel offen war,  näherte sich ein fahles Pferd. Der Name des Reiters war  Tod, und die Hölle folgte ihm nach. Ihnen wurde die Macht gegeben über ein Viertel der Erde, damit sie töten mit Schwert, Hunger, Pest und wilden Tieren.

Bei der Öffnung des fünften Siegels   waren unten am Altar die Seelen derer, die gequält und ermordet wurden, um des Wortes Gottes und um ihres Zeugnisses willen. Und sie schrien mit lauter Stimme: Herr, du Heiliger und Wahrhaftiger, warum richtest du nicht und rächst nicht unser Blut an denen, die auf der Erde Unheil schaffen?

Mit  der Öffnung des sechsten Siegels brach ein großes Erdbeben aus. Die Sonne wurde finster wie ein schwarzes Tuch. Der Mond verwandelte sich in  Blut. Die Könige auf  Erden, die Großen und die Obersten, die Reichen und  Gewaltigen, alle Sklaven und alle Freien verbargen sich in den dunklen Klüften und Felsen der Berge. Ein  anderer Engel stieg auf, vom Osten her.

Und als das Lamm Gottes das siebte Siegel öffnete, entstand eine Stille im Himmel, etwa eine halbe Stunde lang.

Dann öffnete ER den Brunnen des Abgrunds, und dort stieg  ein Rauch auf, wie aus einem großen Ofen. Sonne und Luft verfinsterten sich.

Die sieben Engel, die vor Gott standen, ließen die Posaunen erschallen, und es erhoben sich laute Stimmen. Am Himmel erschien ein großes Zeichen: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet. Unter ihren Füßen ruhte der Mond, und auf ihrem Haupt leuchtete eine Krone aus zwölf Sternen.

Dann erschien ein anderes Zeichen am Himmel, und ein großer, roter Drache flog heran, der hatte sieben Häupter, zehn Hörner und trug sieben Kronen.

Ein zweites Tier stieg auf aus der Erde, das hatte zwei Hörner wie ein friedliches Lamm, aber es fauchte wie ein tückischer Drache. Wer Verstand hat, der denke nach über die Zahl des Tieres, denn es ist das Zeichen des Teufels, und seine Zahl ist Sechshundertundsechsundsechzig. 

Vom Himmel erschallte jetzt eine  Stimme, die klang wie ein großes Wasser, wie die Stimme grollenden Donners und wie das Spiel der Harfen. Da sah ich eine Frau, die gekleidet war in Purpur und Scharlach. Bei ihrem Anblick hob ein  starker Engel  einen Stein auf, so groß wie ein Mühlstein, warf ihn ins Meer und sprach: So wird in einem Sturm  die  Stadt Babylon besiegt,  und man wird ihre Mauern nicht mehr finden.

Der  Himmel öffnete sich, und ein weißes Pferd näherte sich. Die Augen des Reiters loderten wie  Feuerflammen. Und ein Engel stand in der Sonne. Er  ergriff den Drachen und fesselte ihn für tausend Jahre.

Dann erblickte ich einen großen, weißen Thron und den, der darauf saß. Vor seinem Angesicht flohen die Erde und der Himmel, und es gab  keinen Platz mehr für sie im  weiten Weltall. 

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde. Denn der erste Himmel mit der ersten Erde war vergangen, und das Meer war verschwunden.

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu !“

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