Beethoven, Neunte Sinfonie

Die Bewunderung für Beethovens Neunte Sinfonie begleitete Richard Wagner sein ganzes Leben.

Das ist eine Chorsinfonie wie eine Kathedrale. Der erste Satz mit den leeren Quinten, wie Klänge aus einer anderen Welt. Das hämmernde Scherzo, weniger lustig als grotesk, ein Zerrspiegel menschlicher Missgeschicke. Der herzzerreißende langsame Satz, eine melancholische Meditation über tiefe  Emotionen. Und dann das gewaltige Chor-Finale: „Brüder, unterm Sternenzelt muss ein lieber Vater wohnen.“

Eine der besten Aufnahmen dieses Werks wurde von Wilhelm Furtwängler geleitet.

Beethoven, Neunte Sinfonie

mit Elisabeth Schwarzkopf, Elisabeth Höngen, Hans Hopf, Otto Edelmann

Chor und Orchester der Bayreuther Festspiele, 1951

Dirigent Wilhelm Furtwängler 

Noch bevor Wieland Wagners revolutionäre Parsifal-Inszenierung mit einem lauten Paukenschlag die ersten Bayreuther Nachkriegs-Festspiele 1951 eröffnete, hörte das Publikum Beethovens letzte Sinfonie, die auch Richard Wagner immer wieder dirigierte, zum Beispiel nach der Grundsteinlegung seines Festspielhauses . 

Trotz der technischen Aufnahmemängel, mit kratzenden Geigen und scheppernden Trompeten, gelang Wilhelm Furtwängler damals eine exemplarische Deutung.

Die geisterhaften leeren Quinten, die zu Beginn wie aus dem Nichts auftauchen, vergleichbar dem Rheingold-Vorspiel, spiegeln das Bild einer archaischen Welt, die sich stürmisch aus den Urelementen entwickelt. Dann der nervöse, dramatische zweite Satz und seine hämmernden Rhythmen, die vorbereiten auf die emotionale, romantische Tiefe des folgenden Teils, einer hymnischen, elegischen Melodie, die breit ausgekostet wird, um sich zu erweitern auf das allseits bekannte Götterfunken-Finale. Auch hier gelang es Furtwängler, viele Details so herauszumeißeln und mit einem großen Spannungsbogen zu versehen, dass auch die allerbekanntesten Passagen ganz neu erscheinen.

Die künstlerische Spitzenqualität der damaligen Jahre ist anhand der vielen existierenden Radiomitschnitte und CD-Veröffentlichungen jederzeit im Detail nachprüfbar.

Und immer noch stehen zahlreiche Mitarbeiter hinter den Kulissen bereit, Orchestermusiker, Handwerker, Bühnenarbeiter, die sich in jedem Sommer für die Festspielidee engagieren. Dafür tauchten Regisseure auf, deren optische Vorstellungen sich weit von den Wagnerwerken entfernten.

Der lebendige Atem der großen Kunst ist schwächer geworden. 

 
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